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Bad Aibling: Bayerns ältestes Moorbad investiert in die Zukunft

Seit genau 175 Jahren ist Bad Aibling Moorbad, seit 125 Jahren Heilbad. Gebeutelt wurde die oberbayerische Kurstadt von der Gesundheitsreform 1995. Jetzt – im Jubiläumsjahr – investiert die Stadt wieder ins Moor – das “schwarze Gold”.

Heute Abend wird im Kurhaus von Bad Aibling gefeiert. Denn dieses Jahr ist etwas ganz Besonderes für die oberbayerische Kurstadt: 175 Jahre Moorbad, 125 Jahre Heilbad.

Bad Aibling gestaltet seine Zukunft

Die Kurorte und Heilbäder wurden von der Gesundheitsreform 1995 arg gebeutelt. Bad Aibling war hier keine Ausnahme. Aber jetzt – im Jubiläumsjahr – investiert Bad Aibling wieder kräftig ins Gesundheitswesen, ein Moorbadehaus soll gebaut werden.

Bau des Thermalbads machte den Anfang

Die Initialzündung für die Kurstadt war Anfang der 2.000er Jahre die Entscheidung, die Therme Bad Aibling zu bauen. Das architektonisch auffallende Bad mit seinem schwefel-, fluorid- und jodidhaltigen Heilwasser hat im Jahr über 300.000 Besucher.

Moorbäder haben Tradition in Bad Aibling

In Bad Aibling waren Moorbäder schon immer zu bekommen – auch nach der Gesundheitsreform von 1995. Nur müssen sie seitdem meist selbst bezahlt werden. 45 Euro kostet ein Naturmoorvollbad. Aber es lohnt sich, sagt einer der Angestellten.

“Die Qualität eines Moors hängt ab von den Huminsäuren, die drin sind. Wir haben da so einen Schatz in Aibling. In ganz Europa findet man das nicht so einfach.” Andreas Egger, Bad Aiblinger Kurmittelhaus

Andreas Egger verabreicht pro Woche rund 60 Moorbäder.

“Man liegt drin bis zum Hals und dann schwitzt man 20 Minuten, kriegt eine Körperkerntemperatur, da ist ein künstliches Fieber drin. Das ist eine der wichtigen Wirkungen eines Moors, also nicht nur die chemische Übertragung über die Haut, dass man die ganzen Stoffe aufnimmt.” Andreas Egger, Bad Aiblinger Kurmittelhaus

Das Moor ist beim Bad zur Hälfte mit Wasser vermischt und um die 42 Grad heiß.

Heilende Wärme des Moors

Die hohe Temperatur sorgt dafür, dass sich der Körper gänzlich entspannt, weil sie unterschiedliche Thermo-Rezeptoren im Körper reizt, die daraufhin an die Muskulatur ein Signal zur Entspannung abgeben. Laut Egger hilft ein Vollmoorbad damit nicht nur bei Stress, sondern auch bei orthopädischen Leiden, Rheuma und Frauenleiden. Sportler profitieren von seiner entzündungshemmenden Wirkung bei Muskel- und Sehnenproblemen. Zu lange sollte man dennoch nicht im Moorbad bleiben, weil es sonst zu Kreislaufproblemen kommen kann.

“Schwarzes Gold” wird künftig modern präsentiert

Nun steht für Bad Aibling der nächste Schritt an: Das Moor soll wieder mehr in den Fokus rücken und die Anwendungen attraktiv verpackt werden.

“Wir dürfen nicht mehr einem Gast zumuten, irgendwelche weiß-gekachelten Keller, wo man das Tageslicht nicht sieht. Wir müssen an die Oberfläche. Und was ist denn schöner, als ein natürliches Heilmittel wie Moor zu genießen – in 42 Grad warmer Umgebung und gleichzeitig schön in die Berge zu schauen und unsere Landschaft genießen zu können.” Thomas Jahn, Kurdirektor in Bad Aibling

Geplant ist der Bau eines komplett neuen Moorbadehauses mit Therapie- und Übernachtungsmöglichkeiten. Hier soll man ambulante Badekuren machen und direkt vor Ort übernachten können. Eine Kombination, die sich mit Sicherheit für die Stadt auszahlen werde, so Jahn. In das Projekt investieren will ein privater Unternehmer.

Abbau des Moors in der Nachbarschaft

Das Naturprodukt, das in Bad Aibling verwendet wird, stammt aus einem Moor vor den Toren der Stadt. Es liegt im Boden der Filzen bei Bad Feilnbach. Die Familie Füglein baut hier schon seit Generationen Moor ab – für Kurkliniken, Moorbäder und Moorpackungen. Das Ganze geschieht sehr schonend mit den Händen, ein paar Handschuhen und Eimern. Nachdem es im Rahmen der Anwendungen verbraucht worden ist, soll es auch wieder zurückgebracht werden. Die abgebaute Fläche soll also renaturiert werden.