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Ausbildungsduldung: Betriebe beklagen zu viel Bürokratie

Klempner, Altenpfleger oder Köche: In all diesen Berufen gibt es zu wenige Lehrlinge. Deswegen drängen die Betriebe darauf, es einfacher zu machen, Geflüchtete einzustellen. Eine neue Regelung soll helfen – aber hat sich etwas geändert?

Klempner, Krankenpfleger, Zimmerer, Maschinenschlosser, Altenpfleger, Raumausstatter und Köche – das alles sind, laut Bundesagentur für Arbeit, Mangelberufe, hier werden dringend neue Mitarbeiter und Lehrlinge gesucht – und nicht gefunden. Umso heftiger haben Betriebe in den vergangenen Jahren darauf gedrängt, dass es einfacher werden soll, Geflüchtete einzustellen. Seit 1. Januar gilt nun bundesweit eine neue Regelung zur Ausbildungsduldung – die große Frage ist: Hat sich etwas geändert?

Viele Termine für Asylbewerber

Khushal Barakzai ist 18 Jahre alt, kommt aus Afghanistan und ist Kochlehrling im ersten Lehrjahr im Gasthof Pritscher in Greilsberg im Landkreis Landshut. Wirtin Marianne Pritscher war froh, als Khushal bei ihr die Lehre anfing – sie bekam sonst niemanden. Khushal ist fleißig und willig, sagt sie. Aber er kam als Asylbewerber. Deshalb fehlte er oft, musste auf Ämter oder zu Gerichtsterminen. Damit er weiter bei ihr arbeiten konnte, musste sich Marianne Pritscher engagieren, telefonieren, Briefe schreiben – jede Menge Bürokratie.

“Man steckt im Betrieb bis oben hin, man steckt im Büro bis Oberkante, und dann kommt das alles noch zusätzlich dazu. Dann hab ich noch ein Gutachten geschrieben, dass ich ihn unbedingt brauche, dann rufst du da wieder hinterher, was los ist.” Marianne Pritscher, Wirtin im Gasthof Pritscher

Ausbildungsduldung beantragt

Khushals Asylantrag ist mittlerweile abgelehnt, aber er hat Ausbildungsduldung beantragt. Geflüchtete können für die Zeit der Lehre plus zwei Jahre danach eine Duldung in Deutschland erhalten. Auch das geht nicht ohne die Mithilfe von Marianne Pritscher.

“Wenn ich vorher gewusst hätte, was da alles so daherkommt, dann hätte ich es, ehrlich gesagt, wahrscheinlich nicht gemacht. Aber ich hab mir gedacht: Das ist ja super, wenn wir wieder einen Koch-Lehrling kriegen – wenn wir wieder in unsere Zukunft investieren.” Marianne Pritscher, Wirtin im Gasthof Pritscher

Unternehmen sind mit der Neuregelung unzufrieden

Seit dem 1. Januar ist die Ausbildungsduldung neu geregelt. Aber viele Unternehmen sind mit der Neuregelung unzufrieden, heißt es bei der Industrie- und Handelskammer Bayern. Die Unternehmen suchen Mitarbeiter, Geflüchtete suchen Arbeit – würde also passen. Die Betriebe hatten gehofft, das neue Gesetz werde es für Geflüchtete einfacher machen zu arbeiten. Aber aus Berlin hieß es, das würde nur noch mehr Menschen nach Deutschland locken.

Immer noch zu viel Bürokratie im neuen Gesetz

Mareike Ziegler von der IHK Bayern sagte im BR-Interview, dass das neue Gesetz “leider noch ziemlich viel Bürokratie” enthalte. Von der Einstellung hin bis zum letztendlichen Ausbildungsende oder auch bei der Beschäftigung bedeute das viele Behördengänge für die Unternehmen und auch für die Bewerber. Vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen hätten Probleme, geeignete Leute zu finden.

Kochlehrling Khushal in Greilsberg strengt sich weiter an. Obwohl er Muslim ist, kocht er auch mit Schweinefleisch. Und neulich hat er zum ersten Mal afghanische Gerichte in Greilsberg serviert.