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Aus für die Vielfalt: Weniger Geld für Bio-Bauern

Viele Bio-Bauern waren geschockt. Anfang des Jahres wurde ihre Förderprämie aus dem Kulturlandschaftsprogramm gekürzt. Dabei hatte die Regierung doch nach dem Volksbegehren zur Artenvielfalt versprochen, den Ökolandbau mehr zu unterstützen.

Mit Geldern aus dem Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) gewährt Bayern seit 1988 den Landwirten Ausgleichszahlungen, wenn sie nachhaltig und umweltschonend arbeiten und deswegen wirtschaftliche Einbußen hinnehmen müssen. Für die meisten Bio-Bauern eine ganz wichtige finanzielle Unterstützung.

Überraschende Kehrtwende

Mit dem neuen Jahr kam der Schock – auch bei Bio-Bäuerin Christine Mautner. Auf ihrem Hof im niederbayerischen Massing baut sie mehrere Getreidesorten, Kleegras und Hülsenfrüchte an. Zur Grundprämie für Ökolandbau bekam sie zusätzlich 70 Euro pro Hektar aus dem KULAP – für “eine vielfältige Fruchtfolge mit großkörnigen Leguminosen.” Doch statt einer Verlängerung der Zuwendung, mit der sie eigentlich gerechnet hatte, gab es eine Absage.

“In dem Fall hat es den ganzen Winter geheißen, ihr dürft jetzt also drei Jahre verlängern. Dann wissen wir noch nicht, wie es weitergeht. Auf das haben sich eigentlich alle eingestellt. Und dann am 7. Januar kam definitiv raus: Nein, wir können nicht verlängern.” Christine Mautner, Bio-Bäuerin

Bio-Bauern ziehen Konsequenzen

In der Jahresplanung von Bio-Bäuerin Christine Mautner fehlen jetzt rund 7.000 Euro. Ihre Ausgaben für Pachtflächen, Saatgut und Maschinen bleiben aber gleich. Eigentlich hatte sie vor, auf einigen Flächen Sojabohnen anzubauen. Allerdings ist der Anbau aufwändig, zudem muss das Wetter stimmen, sonst ist der Ertrag nur gering. Ohne Förderung ist ihr das Risiko zu hoch. Sie wird ihre Fruchtfolge ändern. Auf den betroffenen Flächen wird jetzt Mais und Hafer angebaut – das bedeutet allerdings: Weniger Vielfalt für die Kulturlandschaft.

Fehleinschätzung des Ministeriums?

Das Landwirtschaftsministerium hatte die Kürzungen unter anderem damit begründet, dass Biobetriebe ohnehin stets abwechslungsreiche Fruchtfolgen pflanzen, eine spezielle Förderung also nicht notwendig sei.

“Vielfältige Fruchtfolgen sind ja ein Merkmal des Ökolandbaus. Durch eine gesonderte Förderung dieser Fruchtfolgen in Ökobetrieben würde kein Mehrwert auf den Ackerflächen entstehen.” Bayerisches Landwirtschaftsministerium

Zumindest im Fall Mautner hat sich das Ministerium geirrt. In ihrem Fall würde eine gesonderte Förderung durchaus einen Mehrwert ergeben. In Bayern sind insgesamt rund 560 Biobauern von den Kürzungen der KULAP-Ackerbau-Programme betroffen. Konventionelle Landwirte dagegen werden für abwechslungsreiche Fruchtfolgen weiterhin mit KULAP-Geld unterstützt. Erstmals bekommen sie jetzt außerdem Geld, wenn dabei auch blühende Pflanzen wie etwa Sonnenblumen und Raps dabei sind. Der BUND Naturschutz sieht das nicht nur positiv:

“Im Ackerbau ist es ja so, dass es eine erhöhte Prämie gibt für eine fünfgliedrige Fruchtfolge. Da sind neu auch die Energiepflanzen Mischungen mit drin, die für die Artenvielfalt eigentlich sehr viel bringen. Gleichzeitig ist es aber so, dass der Raps hier mit 30 Prozent gefördert wird. Mit einer höheren Prämie als vorher. Und Raps ist eine sehr intensive Kultur, wo auch Insektizide, die bienenschädlich sind, eingesetzt werden. Und das halten wir eigentlich für falsch. Wir denken, Raps sollte aus dieser fünfgliedrigen Fruchtfolge wieder rauskommen. ” Marion Ruppaner, Agrarreferentin BUND Naturschutz

Bioverbände verärgert

Mit Unverständnis reagierten die Vertreter des Ökolandbaus. So sprach der Präsident des Bioland-Verbandes, Jan Plagge, von einem Schlag ins Gesicht all der Betriebe, die bisher viel für den Naturschutz und den Klimaschutz geleistet hätten und auch weiter gerne leisten würden. Er verwies auf das bayerische Artenschutz- und Versöhnungsgesetz, das im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist.

Darin heißt es, dass bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Bayern nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet werden sollen. Die Kürzung sei ein kompletter Widerspruch dazu, so Plagge. Die Staatsregierung verspiele ihre Glaubwürdigkeit.

“Sie schießt ja vor allen Dingen sich selbst ein Eigentor. Sie hat den Bürgerinnen und Bürgern versprochen, dass es in Bayern mehr Biolandbau geben soll. Und so wird sie ihr Ziel nicht erreichen. Also am meisten schadet sie ihrer eigenen Glaubwürdigkeit.” Jan Plagge, Biolandpräsident

Ministerin Kaniber verteidigt die Kürzungen

Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks verteidigte Agrarministerin Kaniber die Entscheidung, bestimmte KULAP-Kombinationen nicht länger zu ermöglichen. Sie erklärte, dass die Mittel für das Kulturlandschaftsprogramm heuer um 24 Millionen Euro erhöht wurden – auf nun 300 Millionen. Außerdem gebe es weitere Gelder, etwa für benachteiligte Gebiete.

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