Bis zum geplanten Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Grundschüler ist es ein weiter Weg: Um den Bedarf zu decken, müsste der Staat laut einer Studie fast vier Milliarden Euro investieren.


Für die Ganztagsbetreuung an Grundschulen fehlen bundesweit Hunderttausende Plätze. Das geht aus einer neuen Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) hervor. Um den geplanten Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz umzusetzen, müsste der Staat demnach zwischen 322.000 und 665.000 neue Plätze schaffen. Dafür wären nach Berechnungen des DJI Investitionen von bis zu 3,9 Milliarden Euro nötig.

Im Koalitionsvertrag der Großen Koalition ist ein bundesweiter Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder bis 2025 vorgesehen. Ein deutschlandweiter Ausbau der Betreuung sei jedoch ein großer Kraftakt, heißt es in der Studie. Eine Befragung hatte ergeben, dass sich 71 Prozent der Eltern ein Betreuungsangebot in der Grundschule wünschen. Um diesen Bedarf zu decken, müssten 665.000 neue Betreuungsplätze geschaffen werden. Berücksichtigt man nur die Nachfrage nach Betreuung ab 14.30 Uhr, fehlen derzeit 322.000 Plätze.

Der bedarfsgerechte Ausbau der Ganztagsbetreuung würde den Staat nach Berechnung des DJI zwischen 1,9 und 3,9 Milliarden bis 2025 kosten, etwa für zusätzliche Lehrerstellen und Baumaßnahmen. Hinzu kämen jährliche Betriebskosten zwischen 1,3 und 2,6 Milliarden Euro. Die Berechnungen beruhen auf der Annahme, dass es in Deutschland rund 2,8 Millionen Kinder im Grundschulalter gibt und Eltern eine Betreuung über 40 Stunden pro Woche wünschen.

Die große Koalition will mit dem Ausbau des Betreuungsangebots die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Außerdem sollen so alle Kinder die gleichen Bildungschancen bekommen. Kritik kommt dagegen vom Deutschen Städte- und Gemeindebund: Für die Kommunen sei die Erfüllung des Rechtsanspruchs kurzfristig nicht umsetzbar, sagt Sprecherin Ursula Krickl.

Wegen der unterschiedlichen Ausgangssituationen in den Bundesländern sei ein bundesweites Gesetz ohnehin nicht sinnvoll: “Es gibt sehr unterschiedliche Ansätze in den Ländern, wie die Nachmittagsbetreuung für Grundschulkinder sichergestellt wird. Darum sehen wir die Lösung eher auf Landesebene”, so Krickl. Zudem sei bisher nicht einmal der 2013 beschlossene Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz gewährleistet.

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