🇩🇪 Landesweite Proteste gegen ICE nach tödlichen Schüssen in den USA
In zahlreichen Städten der USA haben am Samstag Demonstrationen gegen die Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) begonnen. Auslöser waren zwei Vorfälle, bei denen Bundesbeamte in Minneapolis eine Frau tödlich erschossen und in Portland zwei weitere Menschen verletzt hatten.
Die US-Regierung erklärte, in beiden Fällen hätten die Beamten aus Notwehr gehandelt. Nach offiziellen Angaben sollen Fahrer ihre Fahrzeuge als Waffen eingesetzt haben, um die Einsatzkräfte anzugreifen.
Größte Abschiebe-Operation in der Geschichte der Region
Die Proteste fallen in eine Phase, in der das US-Heimatschutzministerium in der Region der „Twin Cities“ (Minneapolis und St. Paul) eine nach eigenen Angaben beispiellose Großoperation zur Durchsetzung der Einwanderungsgesetze durchführt. Mehr als 2.000 Bundesbeamte sind dort im Einsatz.
Die Bewegung „Indivisible“, die sich während der Trump-Ära als Widerstand gegen die damalige Regierung formierte, teilte mit, dass in Dutzenden Bundesstaaten Proteste stattfanden – darunter in Texas, Kansas, New Mexico, Ohio und Florida. Viele der Kundgebungen stehen unter dem Motto „ICE Out for Good“.
Tausende gehen in Minneapolis auf die Straße
In Minneapolis zogen am Samstag Tausende Menschen durch die Straßen – trotz eisiger Temperaturen und leichtem Schneefall. Unter den Demonstrierenden waren auch Familien mit Kindern. Auf selbstgemalten Schildern war unter anderem zu lesen: „De-ICE Minnesota“ oder „ICE schmilzt in Minnesota“.
Eine Teilnehmerin, die Mutter Meghan Moore, sagte, viele Menschen lebten derzeit in Angst. Die aktuellen Einsätze der Einwanderungsbehörden würden ein Klima der Unsicherheit schaffen, in dem sich niemand mehr geschützt fühle.
Auch Connor Maloney, ein weiterer Demonstrant, erklärte, er erlebe fast täglich, wie Menschen von Beamten kontrolliert oder bedrängt würden. Das, so sagte er, sei für die Gemeinschaft kaum noch erträglich.
Friedliche Proteste – aber auch Spannungen
Bisher verliefen die meisten Demonstrationen friedlich. Das steht in deutlichem Kontrast zu den schweren Ausschreitungen, die Minneapolis nach dem Tod von George Floyd im Jahr 2020 erlebt hatte.
Allerdings kam es in der Nähe des Flughafens in den vergangenen Tagen zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, die ein Bundesgebäude bewachten. Die Polizei teilte mit, dass am Freitagabend rund 30 Personen vorübergehend festgesetzt wurden. Einige Demonstranten sollen Schnee, Eis und Gegenstände geworfen haben, ernsthafte Verletzungen wurden jedoch nicht gemeldet.
Bürgermeister warnt vor Eskalation
Minneapolis’ Bürgermeister Jacob Frey betonte, dass friedlicher Protest ein wichtiges Recht sei. Gleichzeitig warnte er, dass Gewalt, Sachbeschädigung oder die Gefährdung anderer Menschen nicht toleriert würden. Wer diese Grenze überschreite, müsse mit Festnahmen rechnen.
Er machte auch deutlich, dass die politische Führung in Washington von einer Eskalation profitieren könnte. „Genau das will Donald Trump“, sagte Frey in Bezug auf die harte Linie der Regierung bei der Einwanderungspolitik.
Beamte aus anderen Bundesstaaten verlegt
Ein Teil der eingesetzten Bundesbeamten wurde kurzfristig aus Louisiana abgezogen, wo sie zuvor an einer anderen großangelegten Operation beteiligt waren. Diese sollte ursprünglich noch bis Februar andauern.
Die US-Regierung begründet den massiven Einsatz in Minnesota unter anderem mit Ermittlungen wegen mutmaßlichen Betrugsfällen in Teilen der somalischstämmigen Community – ein Vorwurf, der dort für zusätzliche Spannungen sorgt.