Wie die Medien zur Verbreitung von Rassismus beitragen.

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Wie die Medien zur Verbreitung von Rassismus beitragen.

Nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Sprache haben die deutschen Medien versagt. Möglicherweise hat das eine zum anderen geführt.

Berlin – Jahrelang konnte der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) in der ganzen Bundesrepublik morden, ohne von der Polizei ermittelt zu werden. Zehn Menschen sind ihm zum Opfer gefallen. Die drei bekanntesten Gesichter wurden erst am 4. November 2011 durch die sogenannte Selbstanzeige enttarnt. Erst dann wurden eine Reihe von Fehlern der Sicherheitsbehörden und diskriminierende Ermittlungen öffentlich. Hat sich seither in der Bundesrepublik etwas geändert? Der Twittersmash nutzt den zehnten Jahrestag an diesem Wochenende, um in einer zehnteiligen Serie Betroffene und Verantwortliche zu Wort kommen zu lassen. Wie ist ihre Sicht auf die Vergangenheit? Welche Hoffnungen haben sie für die Zukunft? Dem Einfluss des sprachlichen Rassismus geht der Journalist Benjamin Friedrich nach.

Aufgrund der fehlenden Studie und des realen Szenarios wurden die Motive der Mordserie kühn erdacht. Das Problem ist, dass einige Medienseiten dieselben Vorurteile verbreiten, an die die Terrorgruppe glaubte. Sie haben es nicht nur verbreitet, sondern auch weiterentwickelt, indem sie ihm neue Begriffe und Bilder hinzugefügt haben. Es begann mit dem abwertenden Beinamen “Dönermorde” und weitete sich schnell zu grenzenlosen Spekulationen darüber aus, wie sich die “Ausländermafia” gegenseitig umbringt und warum sie das ausgerechnet in Deutschland tun muss. Wie kommen Sie darauf, dass das rassistisch ist? Warum ist es rassistisch, in den Medien von “Döner-Morden” und “Shisha-Morden” zu sprechen? Rassismus zielt in der Regel darauf ab, den Mitgliedern der eigenen “Wir”-Gruppe individuelle Eigenschaften zuzuordnen. Ich heiße zum Beispiel Benjamin Fredrich und bin Journalist aus Greifswald. Ich bin 34 Jahre alt. Das sind Beschreibungen, die speziell für mich geschrieben wurden. Von außen werden einem Individuum wie mir reine Gruppeneigenschaften zugeschrieben, und der Rassismus beginnt.

Wenn also eine italienische Zeitung über mich schreibt: “Das ist KEIN Italiener”, und die Italiener daraufhin glauben, ich sei ein Krimineller, dann ist das leider Rassismus. Das Ergebnis ist, dass meine wahren menschlichen Eigenschaften verschwunden sind. Es gibt keine individuellen Eigenschaften mehr, sondern nur noch Gruppenmerkmale. Ich bin so, weil ich zu einer bestimmten Gruppe gehöre, in diesem Fall zu den “Nicht-Italienern”. Das ist ein Problem, weil es etwas ist, das man nicht ändern kann. Und das ist ein viel harmloseres Beispiel als das, was die deutschen Medien mit den Opfern des NSU gemacht haben.

Enver imşek, Abdurrahim züdoru, Süleyman Taşköprü, Habil… waren unter den neun vom NSU ermordeten Opfern. Nachrichten von Twittersmash in Kurzform.

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