Was hat Kimmich mit meiner ärztlichen Untersuchung zu tun?

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Was hat Kimmich mit meiner ärztlichen Untersuchung zu tun?

Sollte die Bundesregierung unserem Schriftsteller einen Verweis erteilen, weil er es versäumt hat, ein Beispiel zu geben?

Meine Darmkrebsvorsorgeuntersuchung hat noch nicht stattgefunden. Ja, ich weiß, es ist dumm. Alle raten Ihnen, hinzugehen. Die Darmspiegelung von Prominenten wurde sogar schon gefilmt, aber nur im Gesicht. Ich hingegen bin ein Faulpelz und ein Weichei. Selbst die Prostatauntersuchung, die in meinem Alter empfohlen wird und einen gleichwertigen Eingriff darstellt, wurde bei mir nicht durchgeführt. Vielleicht interpretiere ich etwas falsch, aber könnte es sein, dass Sigmund Freuds Vorstellung vom analen Charaktertyp nichts mit mir zu tun hat? Für meine Verantwortungslosigkeit gibt es keine Erklärung. Früher hatte ich die Ausrede, dass ich keine brauche, weil mein Verhalten lächerlich war, aber das war eine private Angelegenheit. Der private Bereich wird von politischen Erwägungen beherrscht. Ich hoffe, dass die deutsche Regierung mir gerade keine Aufmerksamkeit schenkt. In einer offiziellen Mitteilung aus dem Kanzleramt könnte stehen, dass auch ein kleiner Kolumnist wie Mielke für die Gesundheit seiner Leser verantwortlich ist und damit eine Vorbildfunktion hat. Deshalb solle er jetzt gefälligst – das folgende Wort passt nicht ganz zu den Umständen – seine Pobacken zusammenpressen und die Spezialisten in seinem Enddarm zaubern lassen.

Etwas Ähnliches hat die Regierung mit Joshua Kimmich gemacht. Der Fußballprofi gab zu, keine Corona-Impfung erhalten zu haben. Regierungssprecherin Seibert riet ihm daraufhin wegen seiner “Vorbildwirkung”, “das Wissen noch einmal sacken zu lassen und sich dann möglicherweise für eine Impfung zu entscheiden.” Dies wurde von der Verwaltung nicht in einem freudigen Himmelblau ausgedrückt. Nein, es wurde vom Sprecher der AfD gesagt, nachdem Kimmich bereits aus den Medien erfahren hatte, dass er sich unreif, irrational und unsolidarisch verhalte, dass er im “Kulturkampf” auf der “Seite der Wissenschaftsleugner” stehe, dass er ein Scharfmacher für die AfD sei und dass er beim FC Bayern nicht mehr auf den Platz gelassen werden solle, bis er sich habe impfen lassen, idealerweise hatte Karl Lauterbach dem Delinquenten ein persönliches klärendes Gespräch angedroht, um seinen Unmut gründlich zu beseitigen.

Als sich die Regierung also mit einer faulen Parteitomate anlegte, war die Paradeschlange auf dem Meinungsmarktplatz schon lang. Das ist ein erstaunliches Verfahren. Wird morgen ein Minister dem Vorbild Helene Fischer offen sagen, dass die Vierfüßlerposition besser ist als die typische Rückenlage zum Ausquetschen der Gebärmutterfrucht? Ich wurde zweimal geimpft und…. Nachrichten von Twittersmash.

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