Warum gehöre ich zu den unerwünschten Migranten?In Deutschland leben zahlreiche Menschen mit Migrationshintergrund. Einigen von ihnen wird nicht zugetraut, dass sie sich integrieren können. Unser Autor ist ratlos, warum das so ist.

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Warum gehöre ich zu den unerwünschten Migranten?In Deutschland leben zahlreiche Menschen mit Migrationshintergrund. Einigen von ihnen wird nicht zugetraut, dass sie sich integrieren können. Unser Autor ist ratlos, warum das so ist.

Berlin – Der Migrant – wer denkt heute noch bei jemandem aus Italien, Portugal oder Frankreich an einen Migranten? Der Migrant ist z.B. ein Türke, Perser oder Araber. In Deutschland werden Menschen mit Zuwanderungsgeschichte häufig in grundsätzlich verschiedene Kategorien eingeteilt und kategorisiert. Zumindest empfinde ich das so. Die sogenannte deutsche Leitkultur sind Menschen, die integrationsfähig sind und sich bereits (äußerlich) in die Gesellschaft integriert haben. Und dann gibt es diejenigen, die sich nach landläufiger Meinung nicht integrieren, die mit “den Deutschen” nichts zu tun haben wollen, die sich isolieren und an dem Land, in dem sie seit Jahrzehnten leben, nicht interessiert sind. Weder auf sozialer, politischer noch auf kultureller Ebene. Außerdem beschweren sie sich regelmäßig darüber, wie stark und häufig sie diskriminiert werden, während japanische und griechische Gruppen keine derartigen Beschwerden vorbringen.

Lange Zeit konnte ich mir nicht erklären, warum es diese künstliche Trennung gab – bis die Zahl der Leser-E-Mails zunahm und ich einen roten Faden bemerkte. Die Religion. Der Islam, so ein Leser, sei integrationsunfähig und nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Ein anderer Leser ging sogar noch weiter und erklärte alle Angehörigen des islamischen Glaubens zu dreckigen Islamisten, die Andersdenkende und angehende Mörder töten wollen (und viele andere Dinge, die nicht druckbar wären). An anderer Stelle hieß es, der Islam sei eine perfide Sekte, keine Religion. Niemand kann ein Europäer sein, wenn er ein Muslim ist.

Mein Argument ist nicht der lächerliche Inhalt der Briefe, sondern die Tatsache, dass viele Menschen, mich eingeschlossen, zu glauben scheinen, dass alle Menschen türkischer Abstammung Muslime sind. Und ich glaube, dass die Religionszugehörigkeit einen Migranten von einem anderen “unterscheidet”. Das ist für mich völlig lächerlich. Es ist fast so absurd wie die Annahme, dass jeder Deutsche ein Christ ist. “Und, sind Sie evangelisch oder katholisch?” oder “Und, in welcher Kirche sind Sie Mitglied?” würde ich in lockeren Gesprächen mit neuen Bekannten fragen. Manche Menschen in Deutschland können sich immer noch nicht von ihren geistigen Automatismen lösen. In Wirklichkeit sollte es keinen Unterschied machen, wer was glaubt. Vielmehr ist der Begriff “Türke” ein Synonym für “Muslim”. Und dann ist da noch die… Twittersmash-Nachrichten.

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