Sudan: Bei einer großen Demonstration gegen die Militärregierung werden zahlreiche Menschen getötet und verletzt.

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Sudan: Bei einer großen Demonstration gegen die Militärregierung werden zahlreiche Menschen getötet und verletzt.

Die Bürger des Sudan wehren sich gegen das Militär, das die Macht an sich gerissen hat. Hunderttausende von Menschen gehen auf die Straße. Barrikaden werden angezündet und Schüsse fallen.

Khartoum ist eine Stadt im Sudan. Nach Angaben des Nationalen Medizinischen Komitees haben die Massenkundgebungen der sudanesischen Demokratiebewegung gegen die Militärführung zu zahlreichen Toten und Verletzten geführt. Dem Bericht zufolge wurden am Samstag in der Stadt Omdurman mindestens drei Menschen von Milizen getötet. Wie die Ärztekammer auf Twitter mitteilte, wiesen die Verstorbenen Schusswunden im Kopf und im Unterleib auf. Augenzeugen berichteten von einer großen Menschenmenge bei den Protesten und von Absperrungen aus brennenden Autoreifen.

Die meisten Brücken und wichtigen Straßenkreuzungen waren vom Militär blockiert worden, das in der Stadt Khartum stark präsent war. Am Abend meldeten die Polizeibehörden im staatlichen Fernsehen, dass sie von einigen Demonstranten angegriffen worden seien, dass sie aber mit Tränengas und nicht mit scharfer Munition zurückgeschlagen hätten.

Am Montag hatte das Militär die Kontrolle über das 44 Millionen Einwohner zählende Land im Nordosten Afrikas übernommen und damit internationale Empörung und Proteste ausgelöst. Der Samstag war zum Tag des nationalen Widerstands erklärt worden. Das Militär wurde sowohl von den Vereinten Nationen als auch von der Europäischen Union (EU) zur Vorsicht gemahnt. Tausende von Sudanesen haben in den letzten Tagen eine Reihe von heftigen Protesten veranstaltet.

Im Vorfeld der landesweiten Proteste haben die sudanesischen Militärbehörden erneut Botschafter abberufen. Dabei handelte es sich um prominente Diplomaten aus Südafrika, den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Türkei, wie das staatliche Fernsehen berichtete.

General Abdel Fattah al-Burhan, der neue Militärherrscher des Sudan, will innerhalb einer Woche einen neuen Regierungschef ernennen. Gemeinsam mit dem entmachteten Regierungschef Abdullah Hamduk führt er eine Übergangsregierung an. Er verkündete das Ende des Putsches nach dessen Durchführung. Darüber hinaus verhängte er den Ausnahmezustand. Das Internet und eine große Zahl von Telefonanschlüssen sind weitgehend nicht mehr verfügbar.

Nach monatelangen massiven Protesten und einem Militärputsch wurde der langjährige Machthaber Omar al-Bashir im April 2019 von der Macht verdrängt. In einem Verfassungsabkommen einigten sich das von al-Burhan geführte Militär und die zivile Opposition auf eine gemeinsame Übergangsverwaltung, die den Weg für Wahlen im Jahr 2022 ebnen sollte. Dem Abkommen zufolge hätte al-Burhan die Übergangsverwaltung bis Ende des Jahres verlassen müssen, um Platz für Zivilisten zu machen.

Außerdem plante die zivile Regierung massive Wirtschaftsreformen, die dem Militär erhebliche finanzielle Einbußen beschert hätten. Das Militär lehnte auch eine vom ehemaligen Staatschef Hamduk vorangetriebene Studie über Menschenrechtsverletzungen ab, bei der Al-Burhan und andere mächtige Generäle eine Rolle gespielt haben sollen.

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