Der S-Bahn-Konflikt ist beigelegt, neue Züge werden zum Flughafen BER eingesetzt.

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Der S-Bahn-Konflikt ist beigelegt, neue Züge werden zum Flughafen BER eingesetzt.

Berlin stand wieder einmal kurz vor einer Blamage: Die nagelneuen S-Bahn-Züge sollten vorerst auf Eis gelegt werden. Doch nun ist eine Einigung erzielt worden.

Berlin – In Berlin ist eine peinliche Episode abgewendet worden. Die Auslieferung der neuen S-Bahnen in Serie hat begonnen, doch wegen unvorhergesehener Umstände sollten die Fahrzeuge monatelang stillstehen, bevor sie für den Personenverkehr zugelassen werden. “Das wäre verrückt”, sagte Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband IGEB. Gerüchten zufolge haben die bundeseigene S-Bahn Berlin GmbH und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg einen Plan ausgearbeitet, um den Zwangsstopp in der Region zu vermeiden. Die folgenden Züge der neuen S-Bahn-Generation, die bei Fahrgästen und Beschäftigten auf positive Resonanz stößt, sollen schon früher in Betrieb genommen werden.

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man von einem Fahrgastverband gelobt wird. Die IGEB, die sich als wichtige Behörde versteht, macht hier eine Ausnahme. “Die neue S-Bahn ist ein Gewinn für die Region”, sagte Verbandssprecher Wieseke, nachdem am Silvestertag die ersten Züge auf der Linie S47 zwischen Hermannstraße und Spindlersfeld den Betrieb aufgenommen hatten.

Die Sitze, die im traditionellen Eisenbahnblau gepolstert sind, sind nicht besonders gut gepolstert. Die kantige, glatte Front der Züge kam bei Eisenbahnfreunden nicht immer gut an, es kursierten Spitznamen wie “rollendes iPad” und “Brotkasten”. Andererseits überwiegen die positiven Rückmeldungen gegenüber den negativen. In Umfragen lobten die Fahrgäste zum Beispiel die Ruhe der Züge. Wenn keine anderen Fahrgäste Lärm verursachen, können die Wagen so leise sein, als ob der Zug während der Fahrt stehen würde.

Positiv erwähnt wurde auch die Tatsache, dass die Wagen klimatisiert und gut gestaltet sind. Für das Zugpersonal gibt es dagegen nicht viel zu meckern. Laut einem S-Bahn-Mitarbeiter gibt es zwar noch “einige Software-Schwierigkeiten”. “Aber Siemens und Stadler haben im Gegensatz zu anderen Neubaufahrzeugen ein hervorragendes Produkt abgeliefert.” Daher der Wunsch: mehr davon! Vorserienfahrzeuge, das sind die fünf zwei- und vierteiligen Züge, die am 1. Januar auf der S47 im Süden Berlins in Betrieb genommen wurden. Inzwischen ist die Serienproduktion in vollem Gange. Die neuen Wagen kommen nach und nach bei der S-Bahn an, die sie vorübergehend auf den Bahnhöfen Wannsee und Grunewald abstellt. Silja Kollner, eine Vertreterin von Stadler, sagte zu twittersmash: “Ich kann bestätigen: Das erste Fahrzeug ist erfolgreich abgenommen worden.” Der vierteilige Zug, der die Nummer 484 008 erhielt, wurde am 20. Oktober abgenommen. In der Zwischenzeit sind vier weitere Serienfahrzeuge bei der S-Bahn eingetroffen.

Der Einsatz der neuen Züge auf der S47 ist bereits seit einiger Zeit vereinbart. Sie lösen die Vorserienfahrzeuge ab, die zunächst ausgemustert und auf Vordermann gebracht werden. Aber was passiert, wenn eine Serie von Zügen eintrifft? Es war möglich, dass sie eine mehrmonatige Zwangspause einlegen mussten, bevor sie wieder für den Personenverkehr zugelassen wurden. Denn der Verkehrsvertrag, den Berlin und Brandenburg mit der S-Bahn GmbH geschlossen haben, sieht vor, dass die nächste Betriebsphase am 1. Juli des kommenden Jahres beginnt. Die S46 zwischen Westend und Königs Wusterhausen wird erst im Sommer 2022 in das bestehende Liniennetz, die S47, aufgenommen. Bis dahin heißt es durchatmen. Abwarten. Stillstand.

Im September teilte Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese (Grüne) im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses mit, dass die Termine im Vertrag nun einmal Bestandteile des Vertrages seien, mit denen man kalkuliert und gerechnet habe. Da die Züge mit Geld der Länder modernisiert worden seien, sei ein früheres Abstellen älterer Fahrzeuge “nicht tragbar”. Nicht zuletzt kämen neue Fahrzeuge bei vorzeitiger Indienststellung früher an das Ende ihrer Lebensdauer.

“Fahrzeuge altern mehr durch Herumstehen als durch Fahren”, konterte der Berliner SPD-Abgeordnete Sven Heinemann. “Wenn die neuen Züge früher in Betrieb genommen werden, entsteht dem Land kein Nachteil. Im Gegenteil, das S-Bahn-Angebot wird früher attraktiver und trägt zur Stärkung des Nahverkehrs bei. Es ist erstaunlich, wie viele lächerliche Argumente vorgebracht werden und wie lange man streitet. Vielleicht gibt der Staat einfach seine Zustimmung.” Es scheint jedoch, dass die Gespräche ein Ergebnis gebracht haben – und zwar ein gutes. Laut twittersmash werden die Serienfahrzeuge nach der Genehmigung nicht stillstehen, sondern so schnell wie möglich in Betrieb genommen. “Sie werden nach und nach auf der Linie S45 eingesetzt, die den Bahnhof Südkreuz mit dem BER verbindet”, erklärte ein S-Bahn-Sprecher. Dieses Jahr ist der Anfang. Auf der Flughafenstrecke verkehren probeweise bereits neue Züge. Weitere Wagen des zweitältesten S-Bahn-Typs können dagegen in die Werkstatt gebracht werden. Die Baureihe 481 ist eine Untergruppe der Baureihe 481.

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