Belgien ist in einen staatlichen Skandal verwickelt, als ein des Terrorismus verdächtigter Soldat tot aufgefunden wird.

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Belgien ist in einen staatlichen Skandal verwickelt, als ein des Terrorismus verdächtigter Soldat tot aufgefunden wird.

Ein Soldat steht wegen Rechtsextremismus auf einer staatlichen Terrorliste, hat aber trotzdem Zugang zum Waffenarsenal. Als er Belgiens Top-Virologen bedroht und dann verschwindet, kommt es zu einer Großfahndung – und einer Staatsaffäre.

Belgien: Ein mutmaßlicher Terrorist ist tot aufgefunden worden, heißt es.

Nach einer vierwöchigen Fahndung nach dem terrorverdächtigen Soldaten Jürgen Conings ist im Osten Belgiens eine Leiche entdeckt worden. Die belgische Staatsanwaltschaft erklärte am Sonntag, erste Hinweise deuteten auf Conings hin.

Als Todesursache wird ein Selbstmord mit einer Schusswaffe vermutet. Dies müsse aber noch bestätigt werden. Nach Morddrohungen gegen den bekannten belgischen Virologen Marc Van Ranst in der Nähe des Nationalparks Hoge Kempen in der Region Limburg war der mutmaßliche Rechtsextremist Conings am 17. Mai verschwunden. Die Leiche wurde im nahegelegenen Dilsen-Stockem entdeckt. Nur wenige Kilometer trennen uns von den Niederlanden und Deutschland.

Conings wurde damals verdächtigt, einen Anschlag auf staatliche Gebäude oder prominente Persönlichkeiten geplant zu haben. Die Behörden sagten, sie hätten im geparkten Auto des Gesuchten einen “verdächtigen Mechanismus”, möglicherweise einen Sprengsatz, entdeckt. In dem Auto befanden sich auch große Waffen. Der Mann wurde des versuchten Mordes und unerlaubten Waffenbesitzes im terroristischen Zusammenhang verdächtigt.

Über Wochen lief eine beispiellose Suchaktion. Hunderte von Soldaten, gepanzerte Fahrzeuge und Kampfhubschrauber wurden von der Armee eingesetzt, Interpol wurde kontaktiert. Die Fahndung kostete laut einem Bericht der Zeitung “Le Soir” bis Mitte Juni rund 650.000 Euro.

Der 46-jährige Verschwundene hat auch das politische Interesse auf sich gezogen. Conings stand wegen seiner rechtsextremen Gesinnung auf der Liste der Verdächtigen der belgischen Anti-Terror-Behörde Ocam. Trotzdem hatte Conings direkten Zugang zum Waffenarsenal seiner Armeeeinheit.

Ludivine Dedonder, Belgiens Verteidigungsministerin, musste mehrfach vor belgischen Gesetzgebern aussagen. Die Einstufung des Soldaten auf der Terroristenliste als Bedrohung der Stufe drei von vier sei dem Geheimdienst SGRS nicht rechtzeitig mitgeteilt worden, hieß es aus Regierungskreisen.

Van Ranst, der leitende Virologe, äußerte sich am Sonntag erleichtert, dass die Angelegenheit geklärt werden würde. Allerdings teilte er der Nachrichtenagentur Belga am Telefon mit, dass es noch unklar sei, wann er mit seiner Familie die von der Regierung gesicherte Unterkunft verlassen dürfe.

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Bericht vom 20.6.2021 in “Grenzecho” (deutsch).

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