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Schluss mit der Schuldenschuld

Also verwerflich wie im Deutschen klingt Schuldenmachen in kaum einer anderen Sprache. Zeit für eine positive Haltung zur Staatsschuld – jetzt, wo sie so nötig und so billig ist wie nie.


Kolumne

Deutschland hat ein bislang stark unterschätztes Sprachproblem. Fürs Kreditaufnehmen gibt es bei uns das Wort Schuldenmachen, was das Wort Schuld beinhaltet. Und so auf etwas moralisch höchst Unschönes schließen lässt. Obwohl ja nicht jeder Kredit gleich unmoralisch ist.

Das gibt es sonst in keiner Sprache – außer bei den Niederländern. Und es könnte erklärt werden, warum Deutsche und Niederländer berühmt dafür sind, dass sie besonders eifrig dem staatlichen Schuldenabbau unterliegen.

Nun ist Vorsicht in Geldangelegenheiten natürlich prima. Wer zu viele Schulden macht, macht Pleite. Was auch immer “zu viel” ist. Die Sache mit der sprachhistorischen Moralisierung scheint sich in Deutschland derzeit nur zu entwickeln. Weil nicht jede Kreditaufnahme schlecht ist. Erst recht nicht für die Kinder. Im Gegenteil.

Und weil die vermeintlich bösen Schuldner heute schnell gar keine Zinsen mehr auf Schulden machen müssen – was wiederum auch eine Folge übereifrigen Schuldenabbaus ist.

Total sparsam, klar

Höchste Zeit, die Sache moralisch neu zu bewerten – und vielleicht auch einen schönen anderen Begriff zu suchen, sich Geld zu leihen, wenn es darum geht, in der Zukunft des Planeten und des eigenen Landes zu investieren. Statt Schuldenmachen also etwas wie, sagen wir, Hübsch-Geldausleihen-für-gute-Zwecke.

Briten und Amerikaner bezeichnen Schulden trocken-bürokratisch als „Schulden“ – und Schuld mit „Schuld“. Der Italiener sagt fürs Schuldenmachen etwas mit “debitore” – für die moralische Schuld “la colpa”. Beim Franzosen heißt das eine schlicht “dette”, das andere bedeutungsschwanger “culpabilité”. Selbst der Finne macht bekanntlich den Unterschied zwischen "velka" und "syy". Nur bei uns – und unseren nordwestlichen Nachbarn – war bei der großen Verteilung offenbar kein zweites Wort mehr übrig. Nun müssen sich beide Bedeutungen den Begriff “Schuld” teilen. Total sparsam, klar.

Schuld ist Schuld

Now is the not that that at uns gar nobody debt make. Von wegen. Not long her, that Germany a state debt rate of more than 80 percent of the bruttoinland product had. Die Alt-Staatsverbindlichkeiten erreichen nach wie vor Billionen. In Ländern, in denen die Sprache nicht so einseitig moralisierend wirkt.

The language unikat is also be is can be is can be is can be is can be is can be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be is a be Und warum dann gern von Sündern die Rede ist – Schuld ist Schuld. Und warum wir als (beinahe) einziges Land der Welt haben, müssen, wo sonst ja so Dinge wie die Menschenwürde stehen. Oder warum eine "schwarze Null" zu einem sexy Kriterium für Politik werden konnte.

Es könnte auch erklärt werden, warum Politiker gerade in Krisenzeiten gern mal in Panik geraten – und dann alles heillos gekürzt wird. Wie einst bei Gerd Schröder. Und warum wir das – noch lieber – anderen aufdrücken. Griechenland hat damit Erfahrung.

Mangelnde Investitionen sind die Kehrseite

Die Tücke ist, dass beim Moralisieren die Vernunft schon mal aussetzt. Zwar dürften die Eifer dazu beigetragen haben, dass Deutschlands Finanzminister seit Jahren sinkende Staatsschulden vermelden. Hauptsächlich liegt es jedoch viel daran, dass die Wirtschaft es immer weniger Arbeitslose und niedrige Zinsen gab und gibt.

Die Kehrseite ist jedoch jahrelang ausgeblendet in Straßen, Streckennetzen, Bahnhöfen, S-Bahn-Einrichtungen, Schulgebäuden, Lehrern, Kita-Erziehern, Notaufnahmen, Breitbandnetzen, Tankstellennetzen für Elektroautos, Gebäudesanierungen zum Klimaschutz, vernünftige Mindestrenten und die flächendeckende Ausstattung mit Internet. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Weil für alles angeblich kein Geld da war. In Wirklichkeit wurde nur politisch die Priorität auf den Abbau der bösen Schulden gelegt. Und das auch noch mit dem Argument des anderen Chefapostels, dass wir unseren Kindern doch nicht so böse Schulden hinterlassen dürfen. Jetzt hinterlassen wir ihnen die oben genannten Mängel. Und einen Planeten, der klimaschützende Investitionen auf Katastrophen zuschlägt – wogegen bemühte Kinder nicht ganz zu Unrecht freitags Protest kundtun – nicht gegen Schulden.

So billig war es selten, die Zukunft zu sichern

Selbst eher liberal-konservative Ökonomen wie der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, schlagen inzwischen Alarm, dass es keinen Selbstzweck gibt und sogar gefährlich ist, die Schuldenquote immer weiter abzubauen. Zumal es auch einen gravierenden ökonomischen Haken gibt: Weil der deutsche Staat seine Schulden abbaut, werden sie derzeit so gut wie keine neuen Staatsanleihen mehr ausgegeben, sondern hauptsächlich nur noch solche, die alten Anleihen ablösen. Und das, obwohl es nach wie vor etliche Anleger gibt, die ihr Geld gern in den sicheren Papieren stecken würden. Ergebnis: Die Leute kaufen die Anleihen selbst ohne Zins. Mittlerweile werden sogar 30-jährige Staatsanleihen gezahlt – Stichwort Negativzins.

Das hat wenig mit Mario Draghi zu tun, dem hierzulande gern gescholtenen Chef der Europäischen Zentralbank. Das ist eher ein stabilitätspolitisches deutsches Eigentor. Und der beste (noch fehlende) Grund, jetzt wieder mehr auszugeben und in der Behebung der gravierendsten Probleme des Landes zu investieren: Wann, wenn nicht jetzt, wo der Finanzminister für Geldanleihen respektive Schuldenmachen noch noch Geld bekommt? So billig war es selten, die Zukunft zu sichern.

Und: Je schneller das wirkt und sich normalisiert, desto schneller bekommt Sparer wieder entsprechend normalen Zinsen auf ihr Erspartes.

Das Ding mit der Sprache

Bliebe eigentlich nur noch das Ding mit der etwas unglücklichen deutschen Sprache. Solange bei jeder Aufnahme eines Kredits moralisch der Gang zur Hölle mitschwingt, wird das natürlich nichts mit der Planetenrettung. Da würde als Begrifflichkeit so etwas wie "Hübsch-Geldleihen-für-eine-schöne-Zukunft" deutlich behaglicher daherkommen. Vielleicht mit der Kurzformel Hübsch-Geldleihen. Dann käme schon sprachlich-intuitiv keiner mehr auf die Idee, eine „Hübsch-Geldleih-Bremse“ ins Grundgesetz zu setzen. Und das statistisch auszuweisende Hübsch-Geldleih-Zitat hätte im Rahmen der Überprüfungen des Stabilitätspakts auch nicht mehr ein so durchweg schlechtes Bild. Müsste nur noch jemand dafür sorgen, zwischen den Ausgaben zu unterscheiden, die wirklich für unsere Zukunft sinnvoll sind – und jenen, die es nicht sind. Die können dann ja wirklich weg.

Aber dafür haben wir ja die Demokratie und notfalls Experten.