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Das Böse und die Kunst

Quentin Tarantinos neuer Film über das Jahr 1969. Folgen Sie uns auf Manson-Spurensuche in der Pop- und Kunstgeschichte.

Die Beatles als unfreiwillige Manson-Stichwortgeber

Für immer mit dem Namen Charles Manson verbunden bleibt das "Weisses Album" der Beatles, das Manson nach seiner Veröffentlichung im November 1968 geradezu obsessiv analysierte. Aus Songs wie "Helter Skelter" und "Piggies" glaubte er Belege für seine rassistische Verschwörungstheorie herauszulesen; die Songtitel schmierten die MörderInnen an die Wände ihrer Tatorte. Manson sagte dem "Rolling Stone" einmal, die Lieder des "Weißen Albums" kündigten den blutigen Niedergang des weißen Mannes durch eine bevorstehende Revolte der Afroamerikaner an. Die Beatles selbst hielten für Inkarnationen der vier apokalyptischen Reiter.

John Lennon sagte dazu 1980 in einem Interview mit „Playboy“ -Reporter David Sheff: „Der ganze Manson-Kram basiert auf einem Song von George (Harrison) über Schweinchen und Pauls Song über einen englischen Vergnügungspark. Paul McCartney, der mit "Helter Skelter" schrieb: "Unglücklicherweise inspiriert es einige Leute zu bösen Taten." Andreas Borcholte

Vincent Bugliosi 1971 vor dem Gericht

AP

Vincent Bugliosi 1971 vor dem Gericht

Der Mordfall und seine pop-apokalyptische Auslegung

Die Geschichte der Manson-Familie war von Anfang an ein Bestseller. Erst als Dauerbrenner in den Medien, dann als tatsächliches Buch. Wie der Beatles-Song "Helter Skelter", the family to your schlachtruf for the vermeintlich herbeizuführenden "Rassenkrieg", the state of the stellvertretende County-Staatsanwalt Vincent Bugliosi together with the schriftsteller Curt Gentry 1974. Mit rund zehn Millionen verkauften Exemplaren wird es als erfolgreichstes True Crime-Buch aller Zeiten. Bugliosi hatte als Chefankläger die Anklage gegen Manson und seine Anhängerinnen ausgearbeitet. Wie in der Anklage also auch im Buch war sein Anliegen nachzuweisen, dass Manson des Mordes schuldig war, auch ohne einen Messerstich getan zu haben und dass sein Motiv der "Rassenkrieg" gewesen war.

Zwei Mal war Bugliosi erfolgreich: Erst folgten ihm die Richter und sprachen Manson des Mordes first Grades schuldig. Dann übernahm die Öffentlichkeit die Idee von rassistisch-faschistisch motivierten Gewalttaten. Dass schon während des Prozesses Zeugenaussagen dieser Interpretation widersprachen und die Morde an anderen Verbrechen sollten, ließen Bugliosi weder im Prozess noch im Buch gelten. “Helter Skelter” – schwarz gegen weiß zum Sound der Beatles: Das war als pop-apokalyptische Vision einfach so stark, dass man sich selbst ein Staatsanwalt nicht entziehen konnte. Hannah Pilarczyk

sterben

George Brich / AP

Die "Manson-Girls" 1970 – Vorbild für die Figuren in Emma Clines "Die Mädchen"

Gewalt als Antwort aufs Kamasutra

In "Es war einmal in Hollywood", Quentin Tarantinos Film über das Los Angeles der Späten Sechziger, interessiert den Regisseur der Manson-Girls nur als Bedrohungspotenzial: In aggressiv anmutenden Rotten stehen sie wie Zombies herum und starren mit kalten Augen auf den älteren Hauptdarsteller-Herren Brad Pitt und Leonardo DiCaprio.

Eine differenzierte Annäherung an die Heranwachsenden versucht Emma Cline in ihrem 2016 erschienenen Roman "Die Mädchen": Darin erzählt die US-Autorin vom Heranwachsen in Kalifornien. Die Erwachsenen sind so sehr mit ihrer Selbstfindung beschäftigt, dass sie ihre pubertierenden Kinder vollständig aus den Augen verlieren. Clines Language is sanft – führt aber direkt in den Abgrund. In den Sechzigern praktizierten Selbstveredelungsdisziplinen wird eine radikale Antwort auf „Girls“ (Girls) auf Proteindiät, Schreitherapie, Kamasutra and other. Christian Buß

Stefan Hunsteins Triptychon

Stefan Hunstein

Stefan Hunsteins Triptychon "69"

Charlie als Chiffre für Gewalt in der Kunst

In der Kunst ist Manson der Antiheld, sein Mythos wird für die Prize Shocking-Effekte verwendet, als Symbol des Bösen, der Gewalt, des Umbruchs. In einer Multimediaarbeit inszeniert Susanne Weirich die von manson entsandten mörderinnen als popband und überblendet sie mit szenen der tv-serie "drei engel für charlie".

Im Triptychon "69" kombiniert Fotokünstler Stefan Hunstein Manson, Mondlandung und das Altamont-Konzert der Rolling Stones, auf dem Chaos und Gewalt regierten. Manson ist der Kunstgriff, der schnelle Aufmerksamkeit garantiert und das fasziniert alle Randgruppen: Manson-Verehrer hat seinen Überresten mit Menschenblut gemischt und damit vier Porträts des Mörders and Rassisten gemalt. Carola Padtberg

David Duchovny in

Ron Batzdorff / NBC / Getty Images

David Duchovny in „Wassermann“

Manson, die ewige Blaupause für das Böse

Was waren die späten Sechziger? Tatsächlich eine Zeit, die überkommene gesellschaftliche Strukturen infrage gestellt und für eine liberale Öffnung stand? Oder von vornherein vergiftet durch Ich-Bezogenheit und Egomanie, den Fall von Charles Manson in einem verbrecherischen Kult mündeten? Die NBC-Serie "Wassermann" von 2015 gibt es vor, tief in der Zeit und ihren kulturellen Chiffren einzutuchen, samt einem Best-of-Soundtrack, der alle ab 1967 veröffentlichten Songs herunterdudelt.

Fast entpuppen sich die Sixties hier aber als Kulisse für einen generischen Krimi, in dem David Duchovny als Harter Cop einen durchgeknallten Kriminellen jagt, dessen Name Charles Manson ist. AQUARIUS ist ein Fernsehpsychopath, der jedoch nicht mit dem historischen Manson zu tun hat, und in dem eine immer stärkere Fiktionalisierung stattfindet, auch jede Doppelbödigkeit geht verloren. Nach dem zweiten Staffelkrieg 2016 Schluss, jetzt läuft die Serie bei Netflix. Oliver Kaever

Dennis Wilson (l.) Und Charles Manson

Getty Images

Dennis Wilson (l.) Und Charles Manson

Der Mörder-Guru als verhinderter Popstar

Im Sommer 1968 sah es so aus, als könnte Charles Manson ein Popstar werden, auch ein echter, keine finstere Kultfigur. Dennis Wilson, Beach-Boys-Drummer, war damals frisch geschieden und hat allzu gerne in den freien Hippie-Vibe der Manson-Family gestanden, und ließ den ambitionierten Folksänger und zwei seiner Jüngerinnen bei sich wohnen. Also ergaben sich Aufnahmesessions, die Wilson mit dem Produzenten Terry Melcher arrangierte, der noch in jenem Haus am Cielo Drive war, in dem wenig später Roman Polanski und Sharon Tate einzogen.

Dem Musikindustrie-Profi (u.a. Byrds) gefielen jedoch weder Mansons Songs, noch dessen aggressive Attitüde. sterben Strandjungen dennoch eine Version des Manson-Songs “Cease To Exist” auf und nannten sie “Never Learn Not To Love”. Als Urheber wurde nur Dennis Wilson genannt: Manson hatte seine Rechte für ein Motorrad und Bargeld an ihn verscherbelt. So bleibt als einziges musikalisches Zeugnis des eher medialen Songwriters Manson sein eigenes Album „LIE: Der Liebes- & Terrorkult“, das im März 1970 herauskam, als er bereits im Gefängnis saß. Angeblich verkaufte der Produzent Phil Kaufman, eine frühere Knastbekanntschaft Mansons, lediglich 300 von 2000 Exemplaren. Das Album mit den längsten Singsängen wie "Garbage Dump" und irre blickender Fratze on the Cover gilt als Vinylrarität. Andreas Borcholte

Szene aus

FX-Netzwerke

Szene aus „Legion“

Das gefährlich handlungsfähige Fan-Tum der “Girls”

In "Bond" -Filmen haben die Bösewichte mit Weltzerstörungsabsichten Raketenarsenale, manipulierte Satelliten und Atombomben zur Hand, ihnen auf den Fersen: eine Delegation von Geheimagenten. In der FX-Serie "Legion" is also an a Bösewicht with the world of the view in the center, his on the Fersen: also an a delegation of geheimagenten (read here a rezension). Doch wie für eine Superheldenserie angemessen, die nicht nur ihr eigenes Genre darstellt, sondern auch die Popkultur und ihren Erzählfundus betrachtet, hat der weltzerstörerische Mutant ihrem Anführer nur mit Mühen eingehegt werden kann.

Dass David kein Charly Manson ist und stattdessen Hakenkreuz-Tattoo zwischen den Augen indische Seidenkaftane trägt: geschenkt. The pop war will with the means of the leichte Kraft geschlagen, and in a world, in the weibliches fan-tum, are manson girls always yet the ultimativen repeaters of male Horrorvorstellungen. Hannah Pilarzcyk

Szene aus

ddp images / Capital Pictures

Szene aus “Charlie Says”

Die Kommune als Sklavereisystem

“Look At Your Game Girl” ist eine der bekannteren Songs von Charles Manson, aber die zahlreichen “Girls”, die in seiner Kommune zu Diensten stehen, sind leider nur selten im Fokus von Abhandlungen und Dramatisierungen über die Manson-Family. Die Regisseurin Mary Harron nimmt daher in ihrem Film "Charlie sagt" (2018) Patricia Krenwinkel (alias Katie), Susan Atkins (Sadie) und Leslie Van Houten (Lulu) (Lesen Sie hier eine Rezension).

Karlene Faith und Ed Sanders 'Buch „The Family“ stellen Harron Mansons paternalistisches Sklaverei- und Gewaltsystem vor. IHR TAG AUF DER RANCH, DER IN DEM FÖRDERBAREN WEG GEFÜHRT WIRD, WIRD MIT SZENEN AUS DEM GEFÄNGNIS GEFÜHRT, IN DEM TRIO NACH UND NACH SEINEM MOTIV UND TATEN ReflektIERT. Ein herausfordernder Blick auf die komplexe Beziehungsstruktur hinter dem Manson-Mythos. Andreas Borcholte