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Rottweil: Corona-Virus: Beamte sagen, es gebe keinen Grund zur Panik

Lange Zeit war es weit weg, aber jetzt hat das Coronavirus auch Deutschland erreicht. Nach dem ersten bestätigten Fall in Bayern sind viele unsicher. Das Gesundheitsamt Rottweiler sieht keinen Grund zur Panik, rät aber zu verstärkten Hygienemaßnahmen und Wachsamkeit.

Petra Sostak, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes Rottweil, kann die Sorgen und Ängste der Menschen wegen des neuartigen Coronavirus nachvollziehen – einerseits. Zum anderen schätzt sie die Wahrscheinlichkeit einer Verbreitung des Virus in Rottweil und Umgebung als sehr gering ein. “Unser Gesundheitssystem ist so beschaffen, dass wir Infektionsketten sehr schnell kontrollieren und aufbrechen können”, betont sie.

“Zurzeit befinden wir uns in der Grippesaison. Es gibt wirklich keinen Grund, sofort an das Coronavirus zu denken, wenn man Symptome wie Erkältung, Husten oder Heiserkeit hat”, betont sie. Laut Sostak müssen mehrere Faktoren zusammenkommen, damit ein Verdacht entsteht. Zur Risikogruppe gehören vor allem Menschen, die sich in den vergangenen 14 Tagen in China aufgehalten haben.

“Das müssen Sie auf jeden Fall dem Arzt mitteilen”, sagt sie. In einem solchen Fall behält das Gesundheitsamt auch die Kontaktpersonen im Auge, die der Patient infiziert haben könnte. “Auch sie stehen dann unter Beobachtung”, erklärt Sostak. “Was jeder im Moment tun kann, sind Maßnahmen zur Infektionsprävention”, erklärt sie. Das bedeutet: Häufiges Händewaschen, Husten oder Niesen in den Ellenbogen statt in der Hand, wenn Symptome auftreten, und idealerweise einen Abstand von zwei Metern einhalten.

Sollte doch einmal ein Notfall in Rottweil eintreten, gibt es laut Sostak ein geregeltes Verfahren. So muss der Arzt beispielsweise die Verdachtsdiagnose auf jeden Fall dem Gesundheitsamt melden. Die betroffene Person wird dann so lange isoliert, bis der Verdacht ausgeräumt oder bestätigt ist. “Ein normales Zimmer reicht nicht aus. Es muss ein Raum mit einem Vorraum und einer Luftschleuse sein, und das Personal muss mit Schutzanzügen ausgestattet sein”, erklärt Sostak. Da es sich um eine Viruserkrankung handelt, werden Antibiotika in diesem Fall nicht helfen. “Man kann nur die Symptome kontrollieren.”

Dass die Rottweiler vor allem seit dem bestätigten Fall des Coronavirus in Bayern verunsichert sind, zeigt auch die Nachfrage nach Atemschutzmasken in den Apotheken der Stadt. “Die Leute kaufen sie seit Montag päckchenweise”, sagt Aline Pletitsch von der Römer-Apotheke. Auch das Desinfektionsmittel wird häufiger gekauft.

“Die Atemschutzmasken sind seit einigen Tagen nicht mehr im Großhandel erhältlich”, sagt eine Mitarbeiterin der Paracelsus-Apotheke. “Wir haben letzte Woche versucht, mehr zu bestellen, weil wir den Verdacht hatten, dass sie gebraucht werden. Die Mitarbeiter der unteren Apotheke bemerkten unterdessen kaum eine Veränderung der Nachfrage.

Reisen nach China abgesagt

Die Auswirkungen der aktuellen Situation um das Coronavirus sind nicht nur im medizinischen Bereich spürbar. Günther Hauser, Regional Manager im Reisebüro Bühler/Lufthansa CityCenter, berichtet, dass die meisten der gebuchten Reisen nach China derzeit abgesagt werden. “Im Moment besteht die Tendenz, Reisen, auch Geschäftsreisen, für die nächsten vier Wochen zu stornieren”, sagt Hauser. Reisen im Herbst oder im nächsten Winter sind jedoch nicht betroffen. Auch hier gibt es je nach Region Unterschiede, aber “für die meisten Menschen ist das Risiko einfach zu hoch”, sagt Hauser. “Und die Situation ändert sich jeden Tag.”

Das Auswaertige Amt hat eine teilweise Reisewarnung herausgegeben. Reiseveranstalter sind nun verpflichtet, ihren Kunden andere Möglichkeiten aufzuzeigen. “Aber wenn die Menschen sich für China entschieden haben, werden sie wahrscheinlich keinen Strandurlaub in der Türkei buchen”, sagt Hauser.

Sükrü Baca vom Reisebüro Baca sagt, er habe in den letzten Wochen keine Buchungen für China gehabt. “Aber auch das gesamte Gebiet Südostasiens ist nicht so beliebt. Die aktuelle Situation macht es noch schwieriger”, sagt Baca.

Mehrere Unternehmen in Rottweil, die Geschäftsbeziehungen zu China haben oder Niederlassungen im Land haben, sind ebenfalls von der Situation betroffen. Der Mahle-Konzern zum Beispiel, der seinen Hauptsitz in Stuttgart und eine Produktionsstätte in Rottweil hat, beschäftigt nach Angaben des Sprechers Ruben Danisch insgesamt mehr als 1650 Mitarbeiter in China. Diese Mitarbeiter arbeiten an drei Produktionsstandorten. “Dort werden natürlich Vorsichtsmaßnahmen getroffen”, versichert der Sprecher. “Grundsätzlich wird den Mitarbeitern empfohlen, von Reisen abzusehen und alternative Kommunikationsmittel zu nutzen”, betont Danisch. Auf die Produktionsstätte in Rottweil habe die Situation keine Auswirkungen, sagt er.

Die Sicherheit der Mitarbeiter hat auch im Thyssenkrupp-Konzern höchste Priorität. “Thyssenkrupp empfiehlt allen Mitarbeitern dringend, bis auf weiteres von allen Reisen nach und aus China, die nicht unbedingt sicher sind, abzusehen.