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Kommentar: Es hilft, beim Coronavirus auf die Fakten zu schauen

Was ist übertrieben, was ist angemessen angesichts des Coronavirus? Unter dem Strich hilft es nur, gelassen und nüchtern zu bleiben. Und sich die bekannten Fakten in Erinnerung zu rufen, meint Jeanne Rubner.

In China sind Millionenstädte abgeriegelt, Airlines streichen ihre Flüge und wir haben Angst, wenn jemand in der U-Bahn neben uns hustet. Im Netz schlägt die Stunde der Verschwörungstheoretiker, die schreiben zum Beispiel “Die ganze Welt wird verpestet”.

Angst essen Seele auf? Oder kultivieren wir nur unsere Lust an der Katastrophe und dem Gefühl des Unerwarteten, das wir in unserem geordneten Leben manchmal ein wenig vermissen? Es sind sicher viele Motive beteiligt, wenn wir uns über einen Virus aufregen.

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Fakten spielen dabei kaum mehr eine Rolle. Klar, vieles wissen auch die Forscher noch nicht, zum Beispiel wie tödlich das neue Corona-Virus tatsächlich ist. Bisher sind vor allem Ältere und Kranke gestorben. Erst in ein paar Wochen, wenn die tatsächlichen Zahlen der Infektionen und der Todesfälle feststehen, wird man sagen können, ob die neue Corona-Variante “2019-nCoV” von der Ansteckungs- und Todesstatistik eher der Influenza ähnelt oder der gefährlichen Lungenkrankheit SARS.

Übertriebene Vorsichtsmaßnahmen?

Auch die Frage, ob so drakonische Quarantänemaßnahmen wie in China notwendig sind, lassen sich jetzt nicht sicher beantworten – wenn es darauf überhaupt eine Antwort gibt. Denn dafür bräuchte man ja eine Art Kontrollexperiment – und das kann es nicht geben.

Und dass Lufthansa, British Airways nicht mehr fliegen? Auch das vielleicht eine übertriebene Vorsichtsmaßnahme, wenn es nicht sogar eher eine wirtschaftliche Entscheidung ist – weil gerade niemand von und nach China reisen will.

Gelassen und nüchtern bleiben

Unter dem Strich hilft es nur, gelassen und nüchtern zu bleiben. Und sich die bekannten Fakten in Erinnerung zu rufen. Etwa:

• Auch ein Grippekranker infiziert andere, weil er oder sie ansteckend ist, bevor die Symptome ausbrechen.

• Die meisten, die sich mit dem neuen Corona-Virus infiziert haben, leiden nur unter milden Symptomen wie die Patienten in Bayern.

• Das Risiko, dass importierte Corona-Kranke hier eine Seuche auslösen ist äußerst gering.

Ja, die Fakten sind oft nicht so aufregend. Aber zuverlässig.

Ein Kommentar von Jeanne Rubner, Leiterin BR-Redaktion Wissenschaft und Bildungspolitik