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Die Krankenschwester versuchte angeblich, fünf Babys zu töten.

Gegen Mitarbeiter der Ulmer Säuglingsstation liegt ein Haftbefehl wegen des Verdachts auf versuchten Mord an Frühgeborenen in fünf Fällen vor.

Es ist der Alptraum aller jungen Eltern: Eine Krankenschwester des Ulmer Uniklinikums soll versucht haben, fuenf Babys auf der Fruehgeborenenstation mit Rauschgift umzubringen. Die Staatsanwaltschaft Ulm hat am Dienstag einen Haftbefehl gegen eine Frau wegen des Verdachts auf versuchten Totschlags an Frühgeborenen in fünf Faellen erlassen.

Urinproben von fuenf Fruehgeborenen mit Morphium-Resten
Die Klinik der Angeklagten ist auf die Spur gekommen, weil Urinproben von fünf Frühgeborenen Rückstände von Morphium aufwiesen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden diese Proben angeordnet, weil in den frühen Morgenstunden des 20. Dezember letzten Jahres fünf Babys in einem Raum fast gleichzeitig an lebensbedrohlichen Atembeschwerden litten. Drei der fuenf Kinder mussten nach Angaben des Krankenhauses kuenstlich beatmet werden. In der Annahme, dass es sich um einen gefährlichen Infektionsausbruch handeln könnte, wurde das Gesundheitsamt sofort informiert. Durch die sofortige medizinische Intervention konnte eine weitere Verschlechterung des Zustandes der Neugeborenen verhindert werden. Die Babys wurden innerhalb von 48 Stunden stabilisiert, konnten wieder selbständig atmen und wurden deshalb nach Hause entlassen.

Wegen der ungewöhnlichen Atemnot wurden sofort spezielle Laboruntersuchungen veranlasst. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen den Grund für die vorübergehende Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Kinder: Sie waren betäubt worden. Deshalb hat das Uniklinikum Ulm am Freitag, 17. Januar, bei der Ulmer Polizei Strafanzeige gegen Unbekannte wegen des Verdachts auf versuchten Totschlag gestellt.

Muttermilch mit Narkosemittel
Die Polizei durchsuchte daraufhin die Umgebung von sechs diensthabenden Personen an diesem Freitag vor Weihnachten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde in einem Spind in der Umkleidekabine des Krankenhauses eine Spritze mit Muttermilch gefunden. Nach den ersten Ergebnissen der kriminaltechnischen Untersuchung des Landeskriminalamtes Baden-Wuerttemberg enthielt die Spritze Morphium.

Gegen die Krankenschwester, die den Spind mit der Todesspritze in fuenf Faellen benutzte, wurde am Mittwoch Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts auf gefaehrliche Koerperverletzung und versuchten Totschlags erlassen. Einzelheiten zu den Ermittlungsergebnissen und zum aktuellen Stand der Dinge werden die Ermittler erst auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium Ulm am Donnerstag bekannt geben. Auch die Klinik wird bis dahin keine Stellungnahme abgeben. Bis dahin bleibt es bei einer Pressemitteilung: “Wir bedauern sehr, dass es zu einem solchen Vorfall gekommen ist, und entschuldigen uns ausdrücklich bei Eltern und Kindern dafür. Wir alle haben großes Verständnis für die Sorge der Eltern um die Gesundheit ihrer Kinder”, schreibt Professor Udo X darin. Kaisers, Vorstandsvorsitzender und Leitender Ärztlicher Direktor des Ulmer Universitätsklinikums. Sie hätten “alles in ihrer Macht stehende getan”, um die vollständige Aufklärung des Falles zu unterstützen.

Rund 3.000 Kinder kommen jedes Jahr in den vier Gebärzimmern des Ulmer Universitätsklinikums zur Welt. Die Klinik auf dem Eselsberg behandelt 50.000 Patientinnen pro Jahr und ist nach eigenen Angaben eine der größten Kliniken für Problemschwangerschaften (“Perinatalzentrum”) der höchsten Versorgungsstufe (“Stufe 1”) in Deutschland.