COVID-19-Impftipps von Experten aus der eigenen Praxis

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COVID-19-Impftipps von Experten aus der eigenen Praxis

Niedergelassene Ärzte in Deutschland lassen sich seit Ostern gegen COVID-19 impfen. Auf einem vom Deutschen rzteverlag organisierten Impfsymposium gaben Experten Tipps, wie sie die COVID-19-Impfaktion in ihrer Praxis einführen können.

Die anwesenden Hausärzte beschlossen unter anderem, dass COVID-19-Impfungen außerhalb der normalen Sprechstundenzeiten angeboten werden sollen.

Eine separate COVID-19-Sprechstunde verhindert, dass die Geimpften während der Sprechstunde möglicherweise mit kranken Menschen in Kontakt kommen. Sie vereinfacht aber die Logistik der zweiten Injektion, für die der Impfstoff zum entsprechenden Zeitpunkt bestellt werden muss, so Fabian Holbe, Hausarzt in Neuburg. Holbe hat bereits eine mehrmonatige Schulung hinter sich, denn seit Anfang des Jahres impft er in seiner Praxis im Rahmen eines Modellprojekts gegen COVID-19.

Das bestätigt auch der Hausarzt aus Martinsried, Jörg Schelling: “Kollegen zu impfen, die gerade erst anfangen, würde ich nicht empfehlen. Die Vorbereitung der MFA sei entscheidend für einen reibungslosen Ablauf der Impfung in der Praxis. Man kann nicht einfach morgen anfangen, sondern muss erst die Grundlagen dafür schaffen.

Schelling empfahl, sich die Praxis eines Kollegen anzuschauen, der bereits gegen COVID-19 impft, um sicherzustellen, dass kein Arzt bei Null anfangen muss.

Die Beratung für COVID-19 erfordert eine akribische Planung.

Inzwischen hat Holbe seinen Empfehlungen zu einer separaten COVID-19-Sprechstunde den Vorschlag beigefügt, jeweils nur mit einem Impfstoff zu impfen. Er ist der Meinung, dass die Durchführung mehrerer Impfungen bei einem einzigen Impftermin das Risiko von Fehlern erhöht.

Das hohe Aufkommen an Menschen, die gegen COVID-19 geimpft werden müssen, macht es für die Mitarbeiter der Praxis schwierig, Schritt zu halten. Holbe hat, wie viele andere Ärzte auch, auf der Website seiner Praxis einen Online-Service eingerichtet, über den Patienten einen Termin vereinbaren und den gewünschten Impfstoff auswählen können. Natürlich nehmen wir auch persönlichen Kontakt mit unseren Patienten der letzten Prioritätskategorie 2 auf”, stimmt Holbe zu.

Nebenwirkungen sind ein Problem.

Die Wirksamkeit der COVID-19-Impfstoffe ist eine der am häufigsten gestellten Fragen unter impfenden Ärzten. Wie Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, erklärt, sind Experten zu dem Schluss gekommen, dass diese Impfstoffe sehr wirksam sind, aber nach 40 Millionen verabreichten Dosen nicht immer gut vertragen werden.

Es ist wichtig, die Patienten darüber aufzuklären, dass schwere Impfreaktionen innerhalb der ersten drei Tage nach der Impfung auftreten können. Die Patienten sollten diese mit Hilfe der SAFE-Vac-Software auf dem PEI melden. Normale Impfreaktionen sind etwas intensiver und häufiger als bei der Grippeimpfung, so Cichutek.

In Bezug auf schwerwiegende Nebenwirkungen sagte er, dass Thrombose mit Thrombozytopenie (TTS) in einer kleinen Anzahl von Fällen identifiziert worden ist, insbesondere in Bezug auf die beiden Vektorimpfstoffe. Der PEI-Präsident sprach auch die Möglichkeit anaphylaktischer Reaktionen an, die eine Überwachung der Impflinge für 15 bis 30 Minuten nach der Impfung erfordern.

Viele impfende Ärzte sind auch unsicher, ob sie mit den Impfstoffen von Biontech und Astrazeneca eine 7. oder 11. Dosis aus den Fläschchen nehmen und abrechnen sollen. Laut Sibylle Steiner, Leiterin der Abteilung Medizinische Leistungen und Anreizsysteme bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, sind nur noch 6 Dosen von Biontech und 10 Dosen von Astrazeneca erlaubt.

Dennoch gibt es die Möglichkeit der Entnahme und Abrechnung: Die Entnahme einer 7. oder 11. Dosis sei laut Aussage des Bundesgesundheitsministeriums durchaus legal, so Steiner weiter. Es müsse nur sichergestellt werden, dass es sich um volle Dosen handelt. Diese zusätzlichen Dosen sind dann auch abrechenbar.

Die kürzeren Impfintervalle des Astrazeneca-Impfstoffs wurden kritisiert.

Kritisch äußerten sich die anwesenden Experten hingegen zu einer anderen politischen Entscheidung, nämlich die Verkürzung der Zeit zwischen den COVID 19-Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff auf vier Wochen. Dies widerspricht u.a. den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO)

Ich glaube, dass man sich bei solchen Entscheidungen am besten auf empirische Belege verlassen sollte, und diese Belege zeigen, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs bei einer 12-wöchigen Impfdauer höher ist, so STIKO-Mitglied Sabine Wicker.

Auch der Hausarzt Schelling machte sich dafür stark, wissenschaftlichen Fakten mehr Gewicht zu geben als politischer Rhetorik. Die Schutzwirkung sei bei kürzerem Impfintervall etwas geringer, weshalb eine zweite Impfung erst nach 9 Wochen, besser nach 12 Wochen erfolgen sollte.

Holbe teilte seine Unzufriedenheit mit der aktuellen politischen Situation.

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