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Coronavirus schwächt den bayerischen Tourismus

Wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus hat die Regierung in Peking alle Gruppen- und Pauschalreisen gestoppt. Das hat Folgen für den Tourismus – auch in Bayern. Vor allem das schwäbische Füssen ist davon betroffen.

Wegen der Ausbreitung des Virus hat Peking mit sofortiger Wirkung alle Gruppen- und Pauschalreisen gestoppt. Zwar sind die chinesischen Urlauber in Deutschland mit nur einem geringen Marktanteil vertreten, die Besucher aus dem Reich der Mitte sind aber maßgeblich am Umsatz beteiligt. Die Asiaten gehen nach Angaben des “IPK World Travel Monitor” im Vergleich zwar nur relativ kurz auf Reisen, dabei geben sie aber mit 1.570 Euro pro Trip deutlich mehr Geld aus als Besucher anderer Länder.

Bayern bei den Chinesen besonders beliebt

Deutschland sei für die Chinesen das beliebteste Reiseziel in Europa, erklärt Petra Hedendorfer von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Insbesondere Bayern ist mit den Sehenswürdigkeiten Schloss Neuschwanstein und der Landeshauptstadt hoch im Kurs. Knapp ein Drittel der bundesweit gezählten Übernachtungen entfallen nach Angaben der DZT und des Bayerischem Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung auf den Freistaat. Der in China verhängte Ausreisestopp trifft Bayern deshalb besonders hart.

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Coronavirus: Weniger Übernachtungsgäste in Füssen

„Einzelne Betriebe spüren die Auswirkungen sehr stark. Besonders diejenigen, die ihr Geschäftsmodell auf Reisegruppen aus dem asiatischen Raum aufgebaut haben“, sagte der Füssener Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier dem BR. Die Anzahl der Stornierungen ändere sich täglich. Weil es sich bei dem Virus um “höhere Gewalt” handle, können Reiseveranstalter keine Entschädigung für vorgenommene Stornierungen verlangen. Das erklärte Hoteldirektor Geyer aus Füssen gegenüber dem BR. Für jene, die mit den chinesischen Besuchern gerechnet haben, bedeutet das große Verluste.

Das Europarkhotel in Füssen trifft es dabei besonders hart: Für den Februar haben bereits mehrere Reisegruppen abgesagt. Sollten auch die für März erwarteten Gruppen aus China stornieren, rechnet Geyer mit massiven finanziellen Verlusten. Die asiatischen Besucher würden etwa 70 bis 80 Prozent der Hotelgäste ausmachen. Thomas Günter, Marketingleiter beim Wittelsbacher Ausgleichsfond in Hohenschwangau relativiert jedoch: Die Nachfrage von Tagesgästen in Neuschwanstein sei nach wie vor groß.

Bislang keine Auswirkungen in München

“Die Chinesen sind die drittgrößte Touristengruppe in München und geben pro Kopf sogar mehr aus als die Touristen aus dem arabischen Raum”, erklärt Bernd Ohlmann vom Einzelhandelsverband im BR-Gespräch. Bisher lägen aber keinerlei Meldungen von Einzelhändlern vor, dass es bei den chinesischen Besuchern irgendwelche Einbrüche gebe. Auch das Hotel Drei Löwen am Münchener Hauptbahnhof sowie das Hotel Martim hätten nach eigenen Angaben bisher keine Rückgänge von chinesischen Gästen verzeichnet. Insoweit scheint die Ausreisesperre in München noch keine Auswirkungen zu haben. Das bestätigt auch der Hotel- und Gaststättenverband, der bisher keinerlei Einbrüche der Gästezahlen meldet.

Reiseexperten können sich Nachholeffekt vorstellen

Einen Hoffnungsschimmer für Füssen hat das China Outbound Tourism Research Institute (Cotri): Die dortigen Experten glauben, dass es zu Nachholeffekten kommen könnte, sobald die Gefahr der Virusverbreitung abgeklungen ist. Nach der Überwindung der SARS-Pandemie war es jedenfalls so. Damals seien die Reisezahlen chinesischer Touristen im Durchschnitt angestiegen. Laut der Deutschen Zentrale für Tourismus liegt die Hochsaison für Fernreisen ohnehin in den Sommermonaten. Auf der größten chinesischen Reiseplattform Ctrip sind Pauschalreisen bereits ab März wieder buchbar.

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