Press "Enter" to skip to content

Corona-Virus: Kassel ist gut gerüstet – auch Unternehmen sind betroffen

Obwohl die chinesische Stadt Wuhan etwa 8000 Kilometer von Kassel entfernt ist, sind die Auswirkungen des grassierenden Corona-Virus, das die Volksrepublik derzeit vor große Herausforderungen stellt, auch in unserer Region zu spüren.

Einige Apotheken im Stadtgebiet stellen derzeit fest, dass die Kasseler ebenfalls Angst vor einer Ansteckung haben. “Viele Menschen haben Angst, dass das Virus auch zu uns kommt”, sagt Dr. Jürgen Müller-Rebstein, der unter anderem die Landgraf-Karl-Apotheke am Bahnhof Wilhelmshöhe betreibt.

Vor allem die Nachfrage nach Schutzmasken und Desinfektionsmitteln ist hoch. “Die Masken sind mindestens eine Möglichkeit, sich bei großen Menschenmengen zu schützen.

Atemschutzmasken ausverkauft

Diese müssten aber auch entsprechend hochwertig sein und dem Schutzniveau FFP-3 entsprechen. “Einfache Papier- oder Gewebemasken sind nicht ausreichend. In einigen seiner Apotheken sind die Masken bereits ausverkauft.

Die Nachfrage ist vor allem bei Risikogruppen wie älteren Menschen, Schwangeren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem hoch. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt die Verwendung solcher Masken nur für Krankenhauspersonal, das in direktem Kontakt mit Infizierten steht.

Auch in der Enzian-Apotheke in Waldau sind keine Schutzmasken mehr erhältlich. “Zur Zeit sind auch keine Masken mehr erhältlich”, sagt Geschäftsführerin Wiebke Deichsel. Da die Stadt Kassel jedoch nicht in der Nähe eines großen internationalen Flughafens liegt, schätzt sie die Gefahr für die Bürger der Region als eher gering ein.

Handhygiene als wichtige Schutzmaßnahme
Eine gründliche und regelmäßige Handhygiene ist eine wichtige Schutzmaßnahme gegen Infektionen. Dies gilt unabhängig von einer möglichen Gefährdung durch das Coronavirus. “Ich hätte im Moment mehr Angst vor dem Norovirus und der normalen Grippe”, sagt der Apotheker.

Gesundheitsbehörden und Krankenhäuser sind vorbereitet
Die für die Stadt und den Bezirk zuständige Gesundheitsbehörde ist, wie im Falle einer Grippeepidemie, vorbereitet. “Es gibt ein tägliches Briefing über die Situation sowie regelmäßige Telefonkonferenzen mit dem hessischen Sozialministerium”, sagt Pressesprecher Claas Michaelis.

Sollte sich an der aktuellen Situation etwas ändern, wird eine Koordinierungsgruppe mit den Notfalldienstleistern, Vertretern der Leitstelle, dem medizinischen Leiter des Rettungsdienstes, Vertretern aller Krankenhäuser und Vertretern der Ärzteschaft einberufen. Zudem sollte ein öffentliches Telefon eingeschaltet werden.

“Wenn wir Fälle hätten, könnten wir sie in der Region sehr gut bearbeiten”, sagt Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes. Man sei auch für grössere Standorte gut gerüstet. Im Moment sei aber eher mit einer Zunahme der Grippefälle zu rechnen.

Keine Geschäftsreisen bei Hübner
Die Viruserkrankung ist derzeit auch ein großes Problem für Teile der lokalen Industrie. Der Kasseler Mobilitätsanbieter Hübner ist von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen. “Wir haben vorerst alle Geschäftsreisen nach China bis Ende Februar ausgesetzt”, sagt Pressesprecher Nicholas Neu.

Die Produktion im Hübner-Werk in Shanghai steht derzeit still. Vorsichtshalber wurden die chinesischen Neujahrsferien verlängert. Allerdings sind die Hübner-Mitarbeiter noch nicht unter den Kranken.

Werk Shanghai steht still
Shanghai ist weit entfernt von Hubei, der Region, in der das Virus seinen Ursprung hat, aber das Unternehmen muss darauf vorbereitet sein. “Vieles hängt auch von den Informationen ab, die wir von der chinesischen Regierung erhalten.” Der Produktionsstopp in China hat jedoch noch keine Auswirkungen auf das Werk in Kassel gehabt.

Auch der Volkswagen-Konzern hat seine Geschäftsreisen nach China eingeschränkt. Das erklärte ein Sprecher des Autoherstellers gegenüber der dpa. Der Gesundheitsdienst des Konzerns empfiehlt, nur dringend notwendige Reisen zu unternehmen.

Kasseler Studentin im Austausch in China
An der Universität Kassel, die auch Beziehungen zu China durch Austauschprogramme und Forschungskooperationen unterhält, ist Korona derzeit noch kein großes Thema. Derzeit befindet sich ein Student aus Kassel auf einem Austausch in der Naehe von Peking, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Ausserdem sind drei chinesische Studenten im Rahmen von Austauschprogrammen in Kassel, und ein chinesischer Wissenschaftler. “Wir appellieren an Studenten und Wissenschaftler, die nach China reisen oder dies planen, sich auf dem neuesten Stand zu halten, die Anweisungen des Auswärtigen Amtes und die Hygienevorschriften der örtlichen Behörden zu befolgen”, sagte der Sprecher der Universität.

Unser Ticker zum Coronavirus in Hessen: 9 Verdachtsfälle in Niedersachsen
Coronavirus: 9 Verdachtsfälle – Unternehmen in Niedersachsen reagieren. Insgesamt gibt es noch 9 Verdachtsfaelle. Nur in einem Fall aus Göttingen konnte Entwarnung gegeben werden.