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Warum auch “Birds of Prey” nicht an Marvel-Filme heranreicht

Mit “Birds of Prey” bringt Warner Bros. einen DC-Superheldenfilm mit gleich fünf Powerfrauen in die Kinos. Das Niveau der Marvel-Comic-Verfilmungen von Disney erreicht der Film jedoch nicht – aus mehreren Gründen.

2016 erschien Margot Robbie das erste Mal auf der Kinoleinwand als Harley Quinn, eine ehemalige Psychiaterin, die den Superschurken Joker analysieren sollte und ihm verfiel. Das war in der DC-Actionproduktion “Suicide Squad” – der dritter Versuch von DC, dem Comic-Konkurrenten Marvel und seinen enorm erfolgreichen “Marvel Cinematic Universe”-Filmen etwas entgegenzusetzen.

“Suicide Squad” floppte künstlerisch bei Fans und Kritikern, allerdings reüssierte er an der Kinokasse auf Platz acht der weltweit erfolgreichsten Filme 2016. So verwundert es wenig, dass DC sein “DC Extended Universe” weiter expandiert und nun mit “Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn” ein Spin-Off startet. Im Zentrum die schrille Harley Quinn, die direkt zu Beginn des Films verkraften muss, dass der Joker sich von ihr getrennt hat.

Superschurkin mit Liebeskummer

Harley (Margot Robbie) ist perspektivlos, driftet durch Gothams Nachtclubs und ertränkt ihren Liebeskummer in Partydrogen und Saufgelagen. Da sie nicht mehr unter dem Schutz des Jokers steht, trachten ihr außerdem reihenweise Gangster nach dem Leben. So auch Gangsterboss Roman Sionis alias Black Mask (Ewan McGregor), der aber Harleys Fähigkeiten als Amazone nutzen will, bevor er sie umbringt. Sie soll einen wertvollen Diamanten wiederbeschaffen, den die junge Rumtreiberin und Taschendiebin Cassandra ihm gestohlen hat.

Dabei kreuzt Harley die Wege der Nachclubsängerin Dinah, die als “Black Canary” Gegner mit ihrer schrillen Singstimme ausschalten kann, sowie der Killerin “Huntress”, der Tochter eines Mafiabosses, die auf einem Rachefeldzug durch Gotham streift. Und dann ist da noch Polizistin Renee Montoya, die sowohl Harley Quinn als auch Gangsterboss Sionis dingfest machen will. Und die ganz nebenbei unter der Diskriminierung ihrer männlichen Kollegen im Dezernat leidet.

Sympathische Figuren schlecht geführt

Eine ganze Menge Charaktere, die Regisseurin Cathy Yan in ihrem zweiten Spielfilm nach “Dead Pigs” (2018) etablieren, illustrieren und am Ende des Films als schlagkräftige Girlie-Gang, die “Birds of Prey” vereinen muss. Die Figurenzeichnung gelingt jedoch nur teilweise. Zwar bekommt jede dieser harten Damen ausreichend Raum für ihre Hintergründe und Motivationen und man entwickelt durchaus Sympathie. Doch dann scheitert das Script gerade in der Schlüsselszene, als sich die Entwicklung von Einzelkämpferinnen zur eingeschworenen Truppe vollzieht, angesichts einer männlichen Gangster-Übermacht vor der Tür. So slick die Frauen einzeln agieren, so hölzern werden sie im Finale dirigiert.

Überhaupt wirkt der ganze Film bemüht, eine schrille, harte, visuell coole Actionkomödie zu sein. Und ist gerade deshalb das nicht: cool. Denn Regisseurin Cathy Yan findet nie das richtige Gleichgewicht aus Witz, Action, Gewalt und Tempo wie etwa der stilistisch verwandte Welterfolg “Deadpool”. Gerade die für einen Superheldenfilm essentiellen Action-Sequenzen – vorwiegend werden hier lächerlich dumm agierende, harte Jungs von Frauen vermöbelt – wirken künstlich choreographiert. Das wirkt vor allem beim finalen Kampf in einem Vergnügungspark wie eine Musical-Tanznummer – nicht wie knallhartes Actionkino.

Grellbuntes, überlanges Durcheinander

Bleibt das Ensemble, und deren Leistung ist durchwachsen: Margot Robbie in der Titelrolle macht ihre Sache gut, immer, wenn sie auf der Leinwand ist, macht der Film Spaß. Sie hat auch die besten Gags. Ella Jay Basco als Black Canarie spielt überzeugend die Sängerin aus dem Ghetto, die sich schon immer gegen harte Jungs durchsetzen musste. Als einer der größten Schwachpunkte erweist sich aber überraschenderweise Ewan McGregor als böser Gegenspieler von Harley Quinn. Dem talentierten, vorwiegend als Sympathieträger eingesetzten Schotten nimmt man den psychopathischen Gangsterboss nicht eine Sekunde ab.

Alles in allem ist “Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn” ein grellbuntes großes Durcheinander, nur viel zu selten wirklich komisch, teils widerlich brutal und mit 129 Minuten Laufzeit viel zu lang. Ein weiterer DC-Film, der in keinster Weise an die Klasse der Konkurrenten Marvel heranreicht.

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