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Milliardär Hans-Peter Haselsteiner finanziert neues Museum

Mit 57 Millionen Euro aus dem Privatvermögen des früheren Strabag-Konzernchefs wurde das marode Künstlerhaus am Wiener Karlsplatz renoviert. Die angesehene Albertina wird darin 2500 qm nutzen, ab 12. März ist die erste Ausstellung geplant.

Wien erhält ein imposantes neues Museum für moderne österreichische Kunst. Möglich wurde das durch die Unterstützung des umtriebigen, aber auch umstrittenen Mäzens Hans-Peter Haselsteiner. Der Milliardär griff tief in seine Privat-Schatulle und finanzierte eine umfassende Modernisierung des Künstlerhauses am Karlsplatz. Dort entstand eine Ausstellungsfläche von insgesamt gut 3000 qm. Auch die Wartungs- und Betriebskosten will Haselsteiner künftig aus den Mitteln seiner Privatstiftung bestreiten. Zur Begründung sagte Haselsteiner laut dpa: “Ich halte es für eine Verpflichtung von wohlhabenden Menschen, die in Österreich wohlhabend wurden, dass sie ihren Reichtum außerhalb der Steuerpflicht (…) zu einem gewissen Teil für die Öffentlichkeit einsetzen.” Der ehemalige Bauindustrielle ist auch Hauptsponsor der Tiroler Festspiele in Erl, wo er allerdings mit seinem eher konservativen Musiktheater-Geschmack durchaus auch Gegner hat.

“Moderne Kunstgeschichte erhält neuen Stellenwert”

Der Generaldirektor der Albertina, Klaus Albrecht Schröder, zeigte sich in einer Pressemitteilung begeistert vom neuen Standort: “Mit der Eröffnung der ALBERTINA MODERN können wir endlich unsere Sammlungen der Gegenwartskunst besser und umfangreicher zeigen als je zuvor. Wien bekommt mit der ALBERTINA MODERN ein neues Museum für moderne Kunst, in dem auch die Hauptwerke der Sammlung Essl und als jüngste Sammlungserweiterung die Sammlung Jablonka gemeinsam mit unseren bisherigen Beständen zum Ausgangspunkt von großen Ausstellungen gemacht werden, die es so bisher in Wien nicht zu sehen gab. Nicht zuletzt soll damit auch die Kunstgeschichte Österreichs nach 1945 einen völlig neuen Stellenwert erhalten.”

Prachtvolle Terrazzo-Böden

Am 12. März wird das Künstlerhaus am Karlsplatz mit der ersten Ausstellung unter dem Titel “The Beginning. Kunst in Wien 1945 bis 1980” eröffnet. Es soll eine “Epochen-Übersicht” über gut dreißig Jahre österreichische Kunstgeschichte sein. Insgesamt will die Albertina rund 2500 qm der gesamten Fläche in Anspruch nehmen, rund 900 qm werden dem Verein Künstlerhaus – Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs überlassen. Retrospektiven soll es nach den Worten von Klaus Albrecht Schröder nicht geben, vielmehr werde das Künstlerhaus als “Schaufenster” der österreichischen Moderne dienen.

Das bis zur umfassenden Renovierung baufällige Haus gilt als eines der herausragenden Beispiele für den Historismus-Stil. Es wurde ab 1865 in einem Ensemble gemeinsam mit dem damaligen Hotel Imperial und dem Musikvereins-Gebäude in unmittelbarer Nähe des Wiener Prachtboulevards, des Rings, erbaut. Zwar sollte das Künstlerhaus schon 1906 wieder abgerissen werden, doch es überlebte die Jahrzehnte und diente seit den 1980er-Jahren verschiedenen Kultureinrichtungen als Unterkunft und Ausstellungsfläche, unter anderem den Wiener Festwochen und dem Kunsthistorischen Museum. Bei der jahrelangen, aufwändigen Wiederherstellung der Immobilie wurden etwa die originalen Terrazzzoböden wiederhergestellt, aber auch die Wandmalereien und Dekorationen.

Schwerpunkt österreichische Kunst

“Mit den großen Beständen an Kunst der Gegenwart”, so die Albertina, zähle die eigene Sammlung “mit insgesamt 60.000 Werken an Zeichnungen, Aquarellen, Druckgrafiken und Fotografien zu den großen Kollektionen an Kunst der Gegenwart”. Einen Schwerpunkt bildeten dabei die österreichische Kunst mit Arbeiten von Arnulf Rainer, Maria Lassnig, Franz West, Erwin Wurm und Valie Export. In den internationalen Sammlungen seien die deutschen Künstler Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Markus Lüpertz, Jörg Immendorff und Günther Förg herausragend. Unter den AmerikanerInnen stammten die wichtigsten Werkgruppen von Andy Warhol, Alex Katz, Eric Fischl, Robert Longo, Cindy Sherman, Sherrie Levine, Ross Bleckner und Michael Heizer.

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