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Initiative kämpft für die letzte US-Kaserne Augsburgs

Die Reese-Kaserne ist die letzte sichtbare Erinnerung an die US-Streitkräfte in Augsburg und sie soll bald schon Wohnungen weichen. Doch eine Initiative kämpft dafür, dass der Erhalt der Gebäude mit neuem Wohnraum vereinbar sein muss.

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Für das letzte historische Areal der Reese-Kaserne in Augsburg sind die Bagger schon so gut wie bestellt. Dort wo jetzt noch historische Verwaltungs- und Technikgebäude stehen – die Kradhalle, Mannschaftsgebäude und die “Kantine” – sollen schon bald Wohnblocks errichtet werden. Jetzt machen die Gegner des Bauprojekts, die für den Erhalt der letzten Erinnerung an die US-Streitkräfte kämpfen, noch einmal mobil.

Brandbrief an die Stadt

Die “Initiative Augsburg bewahren” hat einen Brandbrief an die Stadt geschrieben. Sie will das Teilareal der Kaserne mit dem historischen Exerzierplatz erhalten. “Zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung Augsburgs durch die Amerikaner will die Stadt unbeirrt das letzte Bauensemble am historischen Exerzierplatz auslöschen”, lautet die Kritik der Abrissgegner.

Kaum Erinnerungen an amerikanisches Erbe in Augsburg

Dabei handle es sich um das “unwiderruflich letzte noch existierende Ensemble von Militärgebäuden in der Stadt”, heißt es in dem Brandbrief. Die Stadt habe die Verpflichtung, dieses Zeitzeugnis zu bewahren. Kaum noch etwas erinnere an die vielfältige Geschichte der Amerikaner in Augsburg, obwohl vielen Bürgern das Thema ein Herzensanliegen sei. “Wir bekommen wahnsinnig emotionale Rückmeldungen aus der Bevölkerung”, berichtet eine Sprecherin der Initiative.

Stadt will Bebauungsplan umsetzen

Unterschrieben haben den Brandbrief auch Architekten, Historiker und Autoren sowie Naturschützer, die den alten Baumbestand des Ensembles bewahren möchten. Die Stadt hingegen will den bereits vor zehn Jahren abgesegneten Bebauungsplan umsetzen und verweist darauf, dass es genügend Möglichkeiten für Einwendungen gegeben habe.

Initiative hält Planungen für veraltet

Doch das will die Initiative nicht gelten lassen: Die Stadtpolitiker hätten es rechtlich in der Hand, den Bebauungsplan abzuändern. In den letzten zehn Jahren habe sich der Mietmarkt entwickelt, die Planungen seien veraltet. Statt auf dem Gelände zwei- bis dreigeschossige Häuser zu errichten, könnten am Rande des Areals auch höhere Häuser entstehen.

Stadt will Planungen für den Abriss bekannt geben

In den alten Kasernen-Gebäuden könnte nach einer Sanierung zum Beispiel ein Bürgerzentrum samt Ärztehaus entstehen, als Mittelpunkt eines neuen Viertels. Das Beispiel der Wiley-Kaserne in Neu-Ulm zeige, wie attraktiv eine solche Sanierung städtebaulich sein könne. Die Stadt will in der nächsten Woche dazu Stellung nehmen, wann die Bagger anrollen sollen.

Weitere Kritik am Umgang mit amerikanischem Erbe

Dass in Augsburg kaum noch etwas an die Jahrzehnte erinnert, in denen die Stadt Stützpunkt der US-Streitkräfte war, ist auch für andere ein Kritikpunkt: Die Befürworter eines Amerika-Museums in Augsburg etwa warten schon lang auf ein Zeichen der Stadt – zu lange, sagen manche.

In Zeichen von Trump und Co. stünden die Amerikaner derzeit wohl nicht allzu hoch in der Gunst, sagte ein Mitglied eines US-Car-Vereins gegenüber dem BR. Die Mitglieder des Vereins haben in Augsburg viele Erinnerungsstücke an die Amerikaner in den alten Kasernen gesammelt. “Dabei haben sie uns die Freiheit gebracht. Daran denkt heute nur keiner mehr, das ist sehr schade.”