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Besuchsverbote in Alten- und Pflegeheimen wegen Coronavirus

In vielen Städten und Landkreisen sind bereits Besuchsverbote für Heime und Kliniken erlassen worden. Ministerpräsident Söder kündigte jetzt an, das Besuchsrecht in Heimen bayernweit einzuschränken.

Am Eingang zur Seniorenresidenz in Blaichach hat Verena Fleischer bereits ein “Betreten verboten”-Schild am Eingang aufgehängt. Die Einrichtungsleiterin hat die Angehörigen schon per Telefon kontaktiert, wen sie nicht erreicht hat, den informiert sie vor Ort. Das Besuchsverbot bringt viel Organisationsaufwand mit sich, dennoch unterstützt Fleischer die Regelung: “Unsere Altersgruppe, die wir betreuen, die ist halt hochrisikogefährdet”, sagt sie.

In mehreren schwäbischen Städten und Landkreisen gelten die Besuchsverbote bereits für Seniorenheime, Krankenhäuser und weitere Einrichtungen. Bewohner, die ihre Einrichtung selbst verlassen können, können ihre Angehörigen aber außerhalb treffen. Für Alten- und Seniorenheime kündigte die Staatsregierung am Freitagmorgen bayernweit ein weitgehendes Besuchsverbot an. Auch an den Krankenhäusern soll es erhebliche Einschränkungen geben. Pro Patient sei ein Besucher pro Tag für jeweils eine Stunde angestrebt, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

Das Verbot trifft unter anderem Sonja Grueber. Vor der Seniorenresidenz steht sie mit frisch gewaschener Wollwäsche und Hörgerät-Batterien für ihre Mutter. Sie muss alles vor der Tür abgeben und kann mit ihrer Mutter nur per Telefon Kontakt halten. Trotz der Einschränkungen ist die Verfügung für sie eine Beruhigung: “Es geht jetzt nicht um mich persönlich, es geht einfach darum, dass man die Bewohner schützt.”

Auch Christa Krämer findet die Maßnahme zum Schutz ihrer 101 Jahre alten Mutter und der weiteren Bewohner der Blaichacher Seniorenresidenz richtig. Sie kann mit ihrer Mutter allerdings nicht mehr telefonieren und sie befürchtet auch, dass das Besuchsverbot für sie körperliche Folgen haben könnte. Denn normalerweise kümmert sie sich jeden Tag persönlich darum, ihr das Essen zu geben. Ob die Pflegerinnen sie ebenfalls zum Essen bewegen können, ist unsicher.

Falls das Besuchsverbot für die 101-Jährige aufgrund einer Unterernährung gesundheitsschädlich werden sollte, könnte Christa Krämer fürs Essen-Eingeben eine Ausnahmeregelung bekommen, sagt die Leiterin der Seniorenresidenz in Blaichach, Verena Fleischer. Ausnahmeregelungen gibt es auch für Menschen, die ihre Verwandten in der Sterbephase besuchen wollen. In den Kliniken sind auch Besuche von Eltern bei einem erkrankten Kind und Besuche von Vätern bei ihren Neugeborenen vom Besuchsverbot ausgenommen.

Verena Fleischer ist bewusst, dass es eine schwere Einschränkung für die Bewohner und Angehörigen ist, dass nun „Betreten verboten“-Schilder am Eingang der Einrichtung hängen. Trotzdem setzt sie die neue Verfügung gerne um: “Wir haben da nicht nur Verständnis, sondern sind auch in einem gewissen Sinne erleichtert. Denn wir wissen ja, dass über viele Kontakte, die Chance, dass man ein Virus erwischt, größer ist, als wenn man wenig Kontakte hat.”

Besuchsverbot in Heimen – Beschränkungen in Krankenhäusern

Tochter steht mit Wäsche und Batterien vor Seniorenheim

Manche Bewohner sind auf Besuch angewiesen

In Notfällen gibt es Ausnahmeregelungen

Besuchsverbot ist für Einrichtungsleiterin eine Erleichterung

Besuchsverbote in Alten- und Plegeheimen wegen Coronavirus