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5G-Ausbau bedroht Unfallnotruf für Autofahrer

Seit 2018 ist das automatische Notrufsystem eCall gesetzlich vorgeschrieben. Der ADAC kritisiert den nur lückenhaften Einsatz. Durch den Abbau des 3G-Netzes könnte es bald überhaupt nicht mehr funktionieren.

Bei einem Autounfall zählt jede Sekunde. Um den Hilferuf in einer Notsituation schneller und zuverlässiger zu machen, wurde im Frühjahr 2018 europaweit der automatisierte eCall eingeführt. Drückt man im Auto eine Notruftaste oder lösen die Airbags aus, wird automatisch der Rettungsdienst alarmiert. Auch der Standort kann so direkt an den Krankenwagen übermittelt werden.

In Bayern sind 2019 allein in den Leitstellen des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) 80 Auto-Notrufe eingegangen, knapp über die Hälfte davon durch den staatlichen eCall. Aber nicht bei jedem Fahrer kommt der Krankenwagen automatisch – bald vielleicht bei niemanden mehr.

Kritik am Sicherheitssystem

Das ganze eCall-System funktioniert über eine SIM-Karte, die im Auto verbaut ist. Den verpflichtenden Einbau würden Autobauer dadurch vermeiden, indem sie die Typgenehmigungen von Vorgängermodellen fortschreiben. Eine Fortschreibung der Typgenehmigung sei acht Jahre lang in Ordnung, sagen ADAC-Experten. Danach sollte eine neue ausgestellt werden, welche alle aktuellen Standards berücksichtigen muss. Der ADAC fordert daher, künftig einfach alle neuen Autos auf dem Markt mit einem eCall auszustatten.

Unterschiedliche Notrufsysteme

Neben dem gesetzlich vorgeschriebenen eCall haben viele Hersteller schon seit Jahren eigene Notrufsysteme. Der Unterschied zur staatlichen Variante: Der Notruf geht in der Regel zuerst an den Hersteller, welcher diesen dann an den Rettungsdienst weiterleitet. Dabei gehe laut ADAC nicht nur wertvolle Zeit, sondern häufig auch lebenswichtige Informationen verloren. Florian Dax vom BRK sieht in den herstellereigenen Systemen aber auch Vorteile: Den Rettungsleitstellen werden umfassendere Informationen geliefert und Fehlalarmierungen abgenommen.

Keine Antwort des Verletzten

Beim gesetzlichen eCall werde laut Dax bei einem Unfall automatisch eine Sprechverbindung zum Insassen des Fahrzeuges aufgebaut. Das Problem sei häufig, dass ebendieser nicht antwortet. Das kann zwei Gründe haben: Der Fahrer liegt verletzt außerhalb des Fahrzeuges, oder ihm geht es gut und er telefoniert gerade mit seinem Versicherer. In jedem Fall muss mindestens ein Rettungswagen zur Unfallstelle geschickt werden.

Neue Technik bald veraltet?

Nachdem in der Europäischen Union drei Jahre lang über die eCall-Verordnung diskutiert wurde, trat sie im März 2018 umfassend in Kraft. Dass er schon bald nicht mehr funktionieren könnte, liegt vor allem an der Übertragungstechnik. Damit der Notruf flächendeckend garantiert werden kann, muss er über das in Europa am weitesten verbreitete Netz laufen. Das ist gesetzlich geregelt.

Momentan funktioniert er über den aktuellen Netzstandard 2G und 3G. Allerdings wollen einige Betreiber diese Netze zugunsten neuer 4G- und 5G-Technik bald abbauen. Die Telekom beispielsweise will bis Ende 2021 ihr komplettes 3G-Netz abschalten, auch bei Vodafone ist in circa zwei Jahren Schluss. Die Netzwerbetreiber sind nicht alleine schuld – durch Vorgaben der Bundesnetzagentur zum Netzausbau geraten sie derzeit unter Druck. Zwar funktioniert eCall über den 2G-Standard weiterhin, solange er beibehalten wird. Dies zu entscheiden liegt aber laut Bundesregierung im Ermessen der Betreiber (Drucksache 19/7005 ,Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode, S.4, Frage 10 und 11).

Keine Nachrüstungen möglich

Einfache Updates für die bereits verbauten SIM-Karten auf 4G gibt es bisher nicht. Laut Experten müsste dafür ein komplett neues Steuerungsgerät im Auto verbaut werden. Das macht viel Arbeit und kostet, denn mit dem einfachen Austausch der SIM-Karte ist es nicht getan.

Forderung an Netzbetreiber

Um zu verhindern, dass der Notruf in einigen Regionen bald nicht mehr funktioniert, fordern ADAC und der Verband der Automobilindustrie (VDA) von den Netzbetreibern, den Rückbau bis mindestens 2035 zu stoppen. Auf europäischer Ebene will man die eCall-Verordnung bisher noch nicht ändern, bestätigt die EU-Abgeordnete Evelyne Gebhardt (SPD). Allerdings versucht die EU-Kommission bereits herauszufinden, wie der eCall mit 3G, 4G oder 5G gesichert werden kann .

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