Auf manchen Privathäusern türmen sich die Schneemassen und führen zu Sorgen bei den Anwohnern. Sie fragen sich, ob das Dach hält oder freigeräumt werden muss. Doch das ist mit Risiko verbunden, warnt das THW.

Weilheim-Schongau Des einen Freud ist des anderen Leid. Während viele Kinder den Schnee genießen und im Freien toben, machen sich Hausbesitzer Sorgen um ihre Dächer. Die hohe Schneelast sorgt für Einsturzgefahr. Mehrere Hallen wurden wegen der Dachlast bereits geschlossen.

Wie viel Schnee ein Haus in Deutschland aushalten muss, ist klar geregelt. Das Bundesgebiet ist hierfür in unterschiedliche Zonen eingeteilt. Der Kreis Weilheim-Schongau liegt in Zone 2, der Mittleren von insgesamt fünf Zonen. Außer Rottenbuch, das bereits in der höchsten Zone 3 angesiedelt ist. Die Schneelast wird in Kilonewton pro Quadratmeter gemessen. Wie viel Schneelast für das eigene Dachtragwerk zulässig ist, kann jeder dem Standsicherheitsnachweis für sein Gebäude entnehmen. Am Freitag lag die Schneelast in Weilheim bei etwa 1,9 kN/m², in Schongau bei rund 2,6 kN/m².

Walter Frömmrich, Ortsbeauftragter des THW in Schongau, weist daraufhin, dass die Schneehöhe nichts mit der Last zu tun habe. Das bayerische Innenministerium erklärt beispielhaft, dass zehn Zentimeter frisch gefallener Pulverschnee etwa 10 kg/m2 wiegen. Zehn Zentimeter Nassschnee hingegen können ein Gewicht von bis zu 40 kg/m2 haben. Noch extremer stellt es sich mit einer zehn Zentimeter dicken Eisschicht dar. Diese wiegt bis zu 90 kg/m2. Zudem muss die Neigung des Daches bei der Berechnung der Schneelast berücksichtigt werden. Wer sich Sorgen um die Tragfähigkeit seines Daches mache, sollte zunächst einen Statiker damit beauftragen, Messungen vorzunehmen, empfiehlt Frömmrich. Dieser könne den Zustand und die Last bestimmen. Erst dann werden THW oder Feuerwehr auf behördliche Anordnung tätig.

Niemand sollte aufs Dach steigen

„Anrufe von Bewohnern, ihr Dach zu räumen, haben wir schon genug bekommen“, berichtet der Ortsbeauftragte. Ausgerückt sind er und seine Mitarbeiter bisher jedoch nicht. Es gab noch keine Anordnung. So oder so halte es Frömmrich grundsätzlich auf dem Dach für gefährlich. „Ohne die nötigen Sicherheitsmaßnahmen sollte niemand aufs Dach steigen“, sagt er.

Neben der Möglichkeit abzurutschen, stellen auch nicht sichtbare Gegenstände eine Gefahr dar, beispielsweise vom Schnee bedeckte Dachfenster oder Spitzen von Blitzableitern. Gegenebenfalls können auch bereits Risse auftreten. „Wenn es auf dem Dach zu gefährlich ist, geht niemand da drauf“, so Frömmrich. „Die Sicherheit der Menschen geht immer vor.“

So soll vorgegangen werden

Die Vorgehensweise für alle, die sich über die Schneelast auf ihren Dächern Sorgen machen, ist also klar. Zunächst einen Statiker damit beauftragen, Messungen anzustellen, damit anschließend gegebenenfalls Feuerwehr oder THW mit entsprechender Ausrüstung helfen können. Auch ortsansässige Zimmerer oder Dachdecker verfügen teilweise über das notwendige Material. Dann wird auch darauf geachtet, dass das Dach auf beiden Seiten gleichmäßig geräumt wird, um es keiner einseitigen Belastung auszusetzen. Zudem rät das Innenministerium nach einem Winter mit hoher Schneelast sein Dach vorsorglich prüfen zu lassen.

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PHILLIP PLESCH

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