BERLIN (Reuters) – Die deutschen Importe gingen im November unerwartet zurück, übertrafen einen Rückgang der Exporte und erhöhten den Handelsüberschuss, wie die Daten am Mittwoch zeigten, ein weiteres Zeichen dafür, dass Europas größte Wirtschaft im vierten Quartal 2018 ein dürftiges Wachstum aufweisen wird.

Die schwachen Handelszahlen folgten am Dienstag den Daten der Industrieproduktion, die zeigten, dass die Produktion im November den dritten Monat in Folge gefallen war, da die Risiken aus dem Ausland zunahmen und die Automobilunternehmen mit neuen Emissionsstandards kämpfen.

Die saisonbereinigten Importe sanken im November um 1,6 Prozent, während die Exporte um 0,4 Prozent nachgaben, so das Statistische Bundesamt. Der Handelsbilanzüberschuss erhöhte sich von 19,9 Milliarden Euro auf 19,0 Milliarden Euro (21,78 Milliarden US-Dollar).

Eine Reuters-Umfrage unter Ökonomen hatte gezeigt, dass die Importe unverändert blieben und die Exporte um 0,3 Prozent zurückgingen.

"Wir haben eine Reihe schwacher Wirtschaftsdaten gesehen, aber ich rechne nicht mit einer technischen Rezession bis Ende 2018", sagte Stefan Kipar von der BayernLB.

"Nach dem schwachen dritten Quartal wird es wahrscheinlich einen Aufholeffekt geben, aber das Wachstum wird im vierten Quartal wahrscheinlich schwach sein", fügte Kipar hinzu.

Die deutsche Wirtschaft schrumpfte von Juli bis September um 0,2 Prozent.

Handelsstreitigkeiten aufgrund der "America First" -Politik des US-Präsidenten Donald Trump, die Gefahr, dass Großbritannien die EU ohne einen Deal verlassen könnte, und ein schwächeres Wachstum in den Schwellenländern bremsen die neunjährige Expansion in Deutschland.

Die Automobilindustrie hat auch mit Engpässen bei der Neuzulassung von Kraftfahrzeugen zu kämpfen, da Anfang des Jahres strengere Verschmutzungsnormen eingeführt wurden.

"Es scheint derzeit einfach zu viele Krisen im Welthandel zu geben, als dass sich der deutsche Exportsektor dem widersetzen könnte. Selbst der schwache Euro hat die deutsche Exportleistung nur wenig verbessert", sagte Carsten Brzeski von der ING Bank.

Das Statistische Bundesamt wird am kommenden Dienstag vorläufige Daten zum Bruttoinlandsproduktwachstum für das vierte Quartal und 2018 veröffentlichen.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier senkte im vergangenen Monat die Wachstumsprognose der Regierung für 2018 auf rund 1,5 bis 1,6 Prozent gegenüber der vorherigen Schätzung von 1,8 Prozent. Für dieses Jahr prognostiziert Berlin eine Expansion von 1,8 Prozent.

(1 USD = 0,8723 Euro)