Nachdem es dieser Tage ein wenig ruhiger geworden ist und mir die Kälte den Spaß am Joggen nimmt, möchte ich ein paar Worte zum einem Post verlieren, den ich auf SEO-united gelesen habe. Darin ging es um die Beantwortung der Frage wie man erfolgreich twittert.
Demnach haben Wissenschaftler der Carnegie Mellon University ”herausgefunden”, dass lediglich ein Drittel Twitter-Nutzer die von ihnen abonnierten Tweets für sinnvoll halten. Mittels eines Tests – Who gives a Tweet - mit dem die Nutzer den Inhalt der abonnierten Twitter-Accounts anonym bewerten konnten, haben die Wissenschaftler daraus Erkenntnisse gewonnen. Zu mindestens werden die Ergebnisse als solche ausgegeben, denn lediglich 36 Prozent der bewerteten Tweets erhielten einen “Like”. Weitere 25 Prozent erhielten einen “Dislike” und die restlichen 39 Prozent wurden von den Nutzern nicht bewertet.
Wie man erfolgreich twittert
Gretus hat die Ergebnisse einmal ins Deutsche übersetzt. Und ich bin jetzt einmal so dreist und übernehme das Ergebnis, was dann wie folgt aussieht:
- Twittert keine alten News – Nutzer von Twitter sind relativ schnell genervt, wenn dauernd wieder alte Nachrichten in ihrer Timeline auftauchen
- Nehmt Stellung zu den Inhalten – Anstatt lediglich zu retweeten, solltet Ihr kurz auch Eure persönliche Meinung mit in den Tweet einfügen
- Haltet Euch kurz – Je kürzer ein Tweet, desto mehr Platz haben andere Nutzer bei einem Reweet auch ihre Meinung einzufügen
- Vermeidet zu viele Auszeichnungen - Mehrere #hashtags oder @mentions innerhalb eines Tweets machen diesen nur noch schwer lesbar
- Behaltet gewisse Sachen für Euch – Es interessiert nicht wirklich jemanden, was ihr gerade macht oder wo Ihr Euch gerade befindet. Foursquare-Tweets erhielten fast nie einen `Like´ (!)
- Liefert gute Inhalte – Die Inhalte Eurer Tweets dürfen nicht so kurz sein dass sie niemand versteht. Einfach nur ein Link zu einem Bild empfanden die Nutzer als langweilig
- Heult nicht rum – Negative Äußerungen über Euer derzeitiges Befinden erachten die meisten Eurer Follower leider eher als störend
- Teasert nur an – Wenn Ihr wollt, dass Eure Follower auf den Link in Eurer Nachricht klickt, dann deutet deren Inhalt lediglich an
Widersprüche und Fehler in der How-To-Liste
Da ich mit den Ergebnissen jedoch nicht wirklich übereinstimme und manche Punkte für kompletten Unfug halte, möchte ich die einzelnen Gliederungspunkte auseinander nehmen und kommentieren.
- Twittert keine alten News – Ob eine Newsmeldung alt ist oder nicht, liegt wohl immer und zu aller erst im Auge des Betrachters. Ich halte es beispielsweise so, auch Beiträge vom Vortag oder der vorletzten Woche zu sharen. Schließlich wird es immer einen Leser geben, der sich für die Inhalte interessiert und nur weil die Timeline schneller mit Informationen gefüllt und schlussendlich überfüllt wird, heißt das nicht, dass “ältere” Beiträge für die Follower uninteressant sind. Sofern es nicht immer um den gleichen Artikel vom eigenen Blog geht, den man schon zum dritten Mal am Tag und seit Beginn der Woche täglich vertwittert hat, sehe ich das Verteilen von älteren Meldungen als unproblematisch.
- Nehmt Stellung zu den Inhalten – Nur weil man die Möglichkeit hat seinen Senf zur Suppe zu geben, muss man das Gericht nicht noch versauen. Wenn man einen Tweet retweetet, dann hat man die Wahl zwischen einem “RT” und einem typischen Retweet über den entsprechenden Button. Dort fällt das Kommentieren bereits weg. Bleibt also nur noch der “RT”, dem man etwas anfügen kann. Eine Stellungnahme lohnt sich aber erst, wenn man auch wirklich etwas Beitragen kann. Ein “Super Post RT @” interessiert keinen Follower und den Verfasser ohnehin nicht.
- Haltet Euch kurz – Twitter ist ein erster Linie ein Newsmedium. Es geht dabei nicht um großartige und endlose Konversationen. Einen Tweet daher absichtlich kurz und inhaltslos zu halten erscheint mir daher als irrwitzig und blöd. 140 Zeichen sind ohnehin schon eine Hürde um manche Inhalte auf den Punkt zu bringen. Würde man noch mehr weglassen, würde man auf Kosten des Inhalts “Platz” schaffen.
- Vermeidet zu viele Auszeichnungen - Würde sich dieser Punkt nicht mit der von den Wissenschaftlern zuvor in Punkt 3 aufgestellten Maxime widersprechen? Soll ich als User nun Platz für weitere Mentions lassen, so dass der nachfolgende User bereits eine Mention mehr benötigt? Gewiss sollte man auf unzählige Hashtags verzichten, aber bei Mentions sehe ich diesen Punkt nicht so eng. Lediglich nicht enden wollende Danksagungen für Retweets und Erwähnungen sehen mehr wie Spam aus, als dass sie für einen entsprechenden Mehrwert sorgen.
- Behaltet gewisse Sachen für Euch – Es kommt immer drauf an wer twittert und wer dem jeweiligen Twitteruser folgt. Sämtliche Jugendliche twittern Unmengen an nutzlosen und sinnfreien Inhalten, haben aber dennoch meist mehr Follower als engagierte und gewissenhafte Twitterer. Im Prinzip sollte man diesen Punkt immer dahingehend ausrichten, wer einem folgt. Twittert man als erwachsener Mensch während der Arbeitszeit über fröhliche Melodien, die einem beim Toilettengang einfallen, während der Chef im Nebenraum auf seinem Screen mitliest, dann sollte man die Inhalte für sich behalten. Hingegen folgt kein Manager einem 17 jährigen Schulschwänzer, der stolz verwtittert, dass er sich in der Mathestunde lieber einen Bagel kaufen geht.
- Liefert gute Inhalte – Haben wir dazu nicht einige Punkte früher etwas anderes gehört? Man gewinnt den Eindruck, die “Wissenschaftler” sollten sich das Prinzip von Twitter noch mal genauer anschauen. In jedem Fall sollten sie aber prüfen ob die Tipps für erfolgreiches Twittern auch hilfreich sind.
- Heult nicht rum – Dem ist von meiner Seite aus nichts hinzuzufügen. Ein Post über das kalte Wetter ist okay. Tweets über die Bahn stellen ohnehin eine Ausnahme da. Ansonsten sollte man mit Wehleidigkeit hinterm Berg halten und einfach mal das Handy aus der Hand legen.
- Teasert nur an – Gäbe es eine Möglichkeit den gesamten Inhalt eines guten Post in 140 Zeichen zu packen, dann würde sich wohl keiner mehr die Mühe machen und qualitativen Content schaffen. Wichtig ist dem Leser eine Kernaussage mitzulierfern, jedoch die Lösung stets als Linkziel setzen. Wenn man diesen Schritt vollzieht, hat der Tweet eine größere Chance wahrgenommen zu werden.
Ähnliche Artikel:

Februar 8, 2012 um 9:37 am Uhr
Moin Patrick,
zum Thema “Twittert keinen Blödsinn” hat Sascha Lobo einen schönen Beitrag mit dem Titel “Quatsch ist systemrelevant” geschrieben: http://maklr.de/rBg9Vd
Darin fordert er die Deutschen Social-Medianer zu mehr Unsinn in ihren Beiträgen auf.
Lesenswert
Sonnige Grüße aus Berlin.
-Hans Steup
PS: Danke übrigens für Deine Beiträge. Ich stöbere immer wieder gerne in (… oder auf …?) Deinem Blog
Februar 8, 2012 um 4:06 pm Uhr
Moin Hans,
herzlichen Dank für den Verweis zu diesem Beitrag. Habe ihn mir soeben durchgelesen und muss sagen, dass er mich beim ein oder anderen Mal zum Lachen gebracht hat.
Vielleicht verblogge ich diesen Beitrag in den nächsten Tagen noch einmal erneut, denn er enthält einige gute Punkte.
Eisige Grüße aus Frankfurt,
Patrick
ps.: Lieben Dank für die Honoration. Freut mich, wenn jemandem die Beiträge gefallen. Wäre schade, wenn ich die Leser damit nicht erreichen könnte.
Februar 8, 2012 um 5:04 pm Uhr
… mich erreichst Du
Gute Idee, “den Lobo” nochmals anzusprechen
Vielleicht eine Gelegenheit, eindeutige Unterschiede darzustellen zwischen “Quatsch” auf Massenphänomen Facebook und “Quatsch” im Nischenprodukt Twitter (Nische zumindest in D ).
-Hans
Februar 14, 2012 um 10:37 am Uhr
Hallo Patrick,
danke für den Artikel und die Zusammenfassung der Studie. Klingt wirklich spannend. Ich stimme dir komplett zu mit deinen Punkten: “Haltet euch kurz” und “Nehmt Stellung zu den Inhalten”. Das versuch ich auch bei den meisten Tweets zu machen.
Wenn ich so frech sein darf, würde ich gerne auf meinen Blog verweisen, in dem ich gerade einen Post darüber veröffentlicht habe, wie man die ersten Follower erhält. Könnte für deine Leser auch interessant sein.
http://www.web-und-wirtschaft.de/wordpress/how-to-die-ersten-twitter-follower-bekommen
Danke!
VG
Max